Vertrauen schon gemessen?

Erschienen am: 27. Februar 2014

Es gibt die Aussage „Was man nicht messen kann, kann man nicht steuern“. Wenn Vertrauen eine so positive Auswirkung auf Unternehmen hat, muss Vertrauen messbar gemacht werden. Kann ich Vertrauen überhaupt messen?

Die Aussage ist absolut richtig. Nur was messbar ist, kann auch gesteuert und verändert werden. Vertrauen ist ein weicher Faktor. Und genau hier besteht die Herausforderung, um diesen schlussendlich auch messen zu können. Meine Antwort lautet ja, man kann die Dimensionen oder Merkmale für Vertrauen messen, wenn gleich es nicht ganz einfach ist.

Sie sagen ja. Wie sieht ein solcher Ansatz zur Vertrauensmessung aus?

Nehmen Sie z.B. die Merkmale eines Vertrauensklimas im Unternehmen, wie gerade ausgeführt. Diese können Sie durch die Mitarbeiter auf den unterschiedlichen Ebenen – von unten bis ganz oben – bewerten lassen. Dieses Ergebnis zeigt Ihnen relativ gut, wie es um das Vertrauensklima im Unternehmen bestellt ist und wo sie Optimierungsbedarf haben. Wiederholen Sie dies in regelmäßigen Abständen, können Sie den Trend im Unternehmen verfolgen. Haben Sie weitere Unternehmen, die ihr Vertrauensklima auf dieser Basis messen, dann können Sie sich sukzessive mit diesen vergleichen, neu-deutsch benchmarken, und Sie sehen relativ gut, wo Sie im Vergleich zu anderen Unternehmen stehen.

Wie sieht dies heute in der Praxis aus? Gibt es Unternehmen, die ihr Vertrauensklima schon messen?

Ja, es gibt erste Unternehmen, die ihr Vertrauensklima messen, u.a. auch mit unserer Methodik. Man sollte jedoch bedenken, dass dieses Thema gerade erst mehr und mehr in die Führungsetagen von Unternehmen Einzug hält, so dass wir hier noch relativ am Anfang stehen. Erstaunlicherweise ist man in Frankreich schon viel weiter als deutsche Unternehmen. Vielleicht sind wir Deutschen immer noch zu technokratisch. Auffallend ist, dass alle Vorstände dem Vertrauen ein hohe Bedeutung in ihren Unternehmen zukommen lassen, aber intern nichts in diese Richtung unternehmen und auch sehr zurückhaltend sind, wenn vorgeschlagen wird, die Vertrauensmerkmale einmal zu messen.

Wenn ein Unternehmen sich dem Thema der Vertrauensmessung annimmt, was wäre ein guter und sinnvoller Einstiegspunkt?

Wichtig ist, dass die Unternehmensleitung erstmal nicht nur von der Wichtigkeit des Themas überzeugt ist, sondern auch bereit ist, sich einer Status Quo Bestimmung zu stellen und diese dann aktiv unterstützt. Vertrauen muss vorgelebt und gegeben werden, damit es wirken und sich entfalten kann, auch innerhalb von Unternehmen. Hier haben die Chefs quasi eine Vorbildfunktion. Auf dieser Basis können Sie das Thema im Unternehmen vorstellen, z.B. mit Sensibilisierungsworkshops, und dann in der Folge auch das Vertrauensklima feststellen und messen. Gerne stehe meine Kollegen und ich hier für tiefergehende Gespräche zur Verfügung. Ich denke, das Thema Vertrauen wird in den kommenden Jahren eines der zentralen Punkte auf der Management-Agenda werden.

Herr Müller, vielen Dank für das interessante Gespräch. Im nächsten Interview werden wir das Thema „Messen von Vertrauen“ weiter vertiefen.

Das Interview führte Oliver Foitzik, mmc Partner und Experte für Marketing, Kommunikation & Neue Medien.