Turnaround agil: Erfolgreich die wirtschaftliche Wende schaffen

Erschienen am: 19. März 2020

Die Konjunktur stottert – und das setzt viele Unternehmen unter Druck. Dieser kommt von zwei Seiten: Zum einen sind Investitionen in Innovation und Entwicklung gefragt, Umsatzstärke und Vertriebskompetenz müssen erhalten oder sogar erhöht werden. Zum anderen gilt es, Kosten zu reduzieren. Oftmals werden größere Veränderungen, bis hin zum Transformationsprozess, notwendig. Unternehmen, die den Turnaround agil schaffen, haben einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil, weiß Thomas Ring von der mmc AG.

Eine Krise ist ein Wendepunkt

Eine Taste auf einer Tastatur mit der Aufschrift "Agile Führung" wird gedrückt

Mit einem „Turnaround agil“ gelingt Ihnen der Weg aus der Krise im Unternehmen, wenn Sie die entscheidenden Stellschrauben richtig angehen. (Bild: © momius / stock.adobe.com)

2019 rutschte die deutsche Konjunktur immer wieder ins Minus – und auch 2020 stehen Traditionsbranchen wie die Automobilindustrie und insbesondere ihre Zulieferer unter Druck. Man kann also durchaus von einer Krise in der deutschen Wirtschaft sprechen, die sich bereits auf viele Unternehmen auswirkt.

Dennoch: Eine Krise ist nicht per se nur negativ zu beurteilen. Das griechische Wort „krisis“ bedeutet Wendepunkt. In der Medizin bezeichnet die Krise den Wendepunkt in einer Krankheit, an dem sich der Zustand des Patienten entweder verschlechtert und eventuell bleibende Schäden oder sogar der Tod eintreten – oder aber es aufwärts in Richtung Gesundung geht.

Damit in Ihrem Unternehmen Letzteres der Fall ist, lohnt es sich gerade in Krisenzeiten auf agile Methoden zu setzen und einen „Turnaround agil“ einzuleiten.

Mitarbeiter: Purpose gewinnt an Bedeutung

In Krisenzeiten sind bewährte und erfahrene Mitarbeiter von unschätzbarem Wert für das Unternehmen. Deshalb ist es gerade dann umso wichtiger, diese an das Unternehmen zu binden. Doch wie gelingt das am besten? Gehaltserhöhungen und andere materielle Leistungen sind nur bedingt geeignet: Zum einen müssen in Krisenzeiten Kosten gespart werden. Zum anderen suchen gerade hochqualifizierte Fachkräfte immer stärker nach Purpose in ihrer Tätigkeit, das gilt vor allem für die Generationen Y (in den 1980er und 1990ern geboren) und Z (geboren seit 1997), wie auch Studien zeigen: 75 Prozent der Befragten aus den genannten Altersgruppen erwarten, dass

  • Geschäftsideen zu einer Verbesserung für die Gesamtgesellschaft beitragen
  • Business Leader als positive Change-Agents agieren und einen neuen Führungsstil pflegen
  • Mitarbeiter selbstbestimmt und frei arbeiten können.

Hier gilt es, die Unternehmenskultur an die neuen Wünsche und Forderungen anzupassen und agil zu werden, um auf dem Arbeitsmarkt attraktiv zu bleiben.

Den Turnaround agil meistern

Um die Loyalität der Mitarbeiter zu erhöhen sowie neue qualifizierte Kräfte für die zukünftige Ausrichtung des Unternehmens zu finden, bedarf es agiler Arbeitsweisen. Sie ermöglichen es Unternehmen, flexibel auf veränderte Ziele zu reagieren. Zudem hat Agilität weitreichende Auswirkungen auf den Führungsstil und die Arbeitsweise in den Unternehmen:

Führungsstil agil

Werden agile Methoden wie Scrum angewandt, dann verändert sich die Rolle der Führungskraft gravierend. Statt eines Projektmanagers oder klassischen Vorgesetzten, der Aufgaben verteilt und die Erreichung der Ziele kontrolliert, nimmt die Führungskraft die Rolle eines Coaches, Mentors oder Moderators ein. Sie steht bei Fragen zur Verfügung, schafft optimale Rahmenbedingungen für zielorientiertes Arbeiten und schlichtet Konflikte. Dies verlangt dem Selbstverständnis von Führungskräften oft einiges ab. Ein Change im Mindset ist unabdingbar, wenn der Turnaround agil von Erfolg gekrönt sein soll.

Mehr Freiraum für Mitarbeiter

Auf der anderen Seite bedeuten der veränderte Führungsstil und eine agile Arbeitsweise für die Mitarbeiter ebenfalls eine große Veränderung. Statt auf Weisungen zu reagieren, müssen sie nun selbst aktiv werden. Sie können die Bewältigung ihrer Aufgaben selbst gestalten, eigene Ziele definieren und diese umsetzen. Selbstbestimmtheit und Gestaltungsfreiheit sorgen so einerseits für größere Zufriedenheit am Arbeitsplatz, fordern andererseits jedoch auch die Übernahme von Verantwortung für die Erreichung eigener Ziele und der des Unternehmens.

Risiken und Chancen von agilem Management

Ein großer Vorteil von agilem Vorgehen ist die Schnelligkeit, mit der Entscheidungen getroffen werden. Gleichzeitig sind diese Entscheidungen jedoch auch häufig Entscheidungen unter Unsicherheit, da notwendige Informationen fehlen. Intuition muss nichts Schlechtes bedeuten: Untersuchungen zeigten, dass Manager, die intuitive Entscheidungen fällten, um ein Vielfaches erfolgreicher waren als solche, die sich bei ihren Entscheidungen allein auf (vermeintlich) verlässliche Daten und Fakten verließen.

Doch die Risiken schneller Entscheidungen unter Unsicherheit lassen sich noch durch weitere Faktoren reduzieren:

  1. Gemeinsame Vision: Ein gemeinsames Ziel vor Augen für das gesamte Unternehmen, das beständig abgestimmt und modifiziert wird, stellt sicher, dass alle an einem Strang ziehen.
  2. Führungskräfte als Coaches: Soziale Kompetenzen werden für Führungskräfte immer wichtiger. Ein großes Ego und Geltungsdrang müssen der Vergangenheit angehören. Stattdessen gilt es, ein offenes Ohr für Fragen und Probleme der Mitarbeiter zu haben und mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.
  3. Feedback- und Dialogkultur etablieren: Nur durch beständigen Austausch, offenes Feedback von allen Seiten und Transparenz in allen wichtigen Fragen kann Fortschritt erzielt werden.
  4. Kommunikationskanäle verbessern: Dialog und Feedback funktionieren nur, wenn die entsprechenden Kanäle vorhanden sind. Diese können digital oder analog sein – am besten beides. Wichtig ist, dass kurze Kommunikationswege schnelle Informationen, Abstimmungen und Entscheidungen ermöglichen und dass jeder seine Vorstellungen und Wünsche über die Zukunft des Unternehmens einbringen kann.
  5. Vernetzung fördern: Durch Anerkennungen für kleinere Gruppen oder einzelne Mitarbeiter statt für ganze Abteilungen wird Silodenke aufgelöst und die Vernetzung im Gesamtunternehmen gefördert.

Gestaltungsmöglichkeiten für Mitarbeiter

In Turnaround- und Change-Prozessen nehmen Führungskräfte eine zentrale Rolle ein: Ihre Vorbildfunktion entscheidet über Erfolg oder Misserfolg einer Transformation. Das Top-Management muss die Ziele vorbehaltlos unterstützen und ihre Erreichung vorantreiben.

Die Mitarbeiter aller Ebenen müssen an der Definition der Ziele und ihrer Umsetzung beteiligt werden – und zwar in allen Phasen. Ein agiles Vorgehen unterstützt und fördert dies und erhöht damit die Erfolgschancen für notwendige Veränderungen und zukünftigen Erfolg – gerade in schwierigen Zeiten.

Der Beitrag wurde verfasst von Thomas Ring, Vorstand und Managing Partner der mmc AG.