Scrum: Pragmatisch anwenden statt dogmatisch verbreiten

Erschienen am: 27. September 2018

Agiles Management und Scrum sind in aller Munde und werden als der neueste Hype im Projektmanagement gehandelt. Dabei hat das Konzept schon einige Jahre auf dem Buckel: 2001 wurde Scrum von Ken Schwaber und Mike Beedle entwickelt. Ursprünglich für die Software-Entwicklung gedacht findet die Methode mittlerweile in allen Bereichen des Projektmanagements Anwendung.

Ein Manifest für neues Arbeiten

Scrum, agile Management, agil

Scrum ist die am häufigsten angewandte agile Methode. (Bild: Egor – Fotolia.com)

Schwaber und Beedle waren auch an der Formulierung des Manifestes für agiles Arbeiten beteiligt. Es basiert auf folgenden Grundsätzen:

„Individuals and Interactions over Processes and Tools
Working Software over Comprehensive Documentation
Customer Collaboration over Contract Negotiation
Responding to Chance over Following a Plan“

Gerade der letzte Grundsatz, „Reagieren auf Veränderungen statt Verfolgen eines Plans” funktioniert in der Praxis aber nicht immer. Ursprünglich wurde Scrum für die Softwareentwicklung entwickelt. Auch heute nutzen IT-nahe Bereiche agile Methoden häufiger als andere Unternehmensbereiche, wie die Studie Status quo Agile zeigte. Deshalb müssen einige Voraussetzungen erfüllt sein, damit Scrum auch außerhalb seines ursprünglich vorgesehenen Anwendungsbereichs gute Ergebnisse liefern kann.

Voraussetzung 1: Eine Gesamtstrategie verfolgen

Anpassungen an Kundenfeedback, Iterationen und das schnelle Reagieren auf veränderte Rahmenbedingungen gehören zu den entscheidenden Vorteilen, die agile Methoden gegenüber dem klassischen Wasserfall-Projektmanagement haben.

Ganz von einem Plan sollten sich Unternehmen dennoch nicht verabschieden. Schließlich ist es die gemeinsame Vision, das Gesamtziel des Unternehmens, das sowohl für Mitarbeiter als auch für Kunden und Führungskräfte den Anreiz bildet, Projekte umzusetzen und die Leitlinien vorgibt. Fehlt eine solche Gesamtstrategie, driftet die Projektarbeit in chaotisches Klein-Klein ab. Flexibilität ja – aber planvoll.

Voraussetzung 2: Agiles Controlling umsetzen

Auch agil gemangte Projekte müssen Ergebnisse liefern. Controlling ist deshalb auch hier zwingend notwendig. Wie agiles Controlling am besten umgesetzt wird und was das Besondere daran ist, hat kürzlich Michael Mollenhauer im Beitrag Agiles Controlling – Flexibel bleiben, Alternativen bewerten beschrieben.

Voraussetzung 3: Individuelle Bedürfnisse berücksichtigen

Mit 86 Prozent ist Scrum mittlerweile die bekannteste und am häufigsten angewandte Methode des agilen Managements. Scrum wird auch außerhalb der Software-Entwicklung und in IT-fernen Bereichen für das Management und die Organisation von Projekten genutzt. Deshalb sind Anpassungen bei der Anwendung notwendig. Scrum ist keine Bibel, an die man sich unbedingt zu halten hat! Vielmehr geht es darum, Projekte flexibler und effizienter zu organisieren. Dabei helfen:

  • Schrittweises Vorgehen (Iterationen)
  • Berücksichtigung von Kundenfeedback
  • der Grundsatz „Always Beta“

Bestimmte Parameter, wie etwa die Länge der Sprints, die Häufigkeit der Kundentreffen, die Größe der Entwicklerteams oder auch die Vorgabe eines verbindlichen Ziels sind jedoch verhandelbar und müssen an die jeweiligen Zielsetzungen angepasst werden.

Voraussetzung 4: Unternehmenskultur anpassen

Scrum und andere agile Management-Methoden setzen flache Hierarchien, ein modernes Führungsverständnis und große Eigenverantwortung der Mitarbeiter voraus. Traditionell-hierarchisch strukturierte Unternehmen mit einem autoritären Führungsstil tun sich schwer, diese Voraussetzungen zu erfüllen. Die Anwendung agiler Methoden ist hier zum Scheitern verurteilt. Deshalb muss mit der Umstellung auf agiles Management auch ein Kulturwandel einhergehen, der mitunter schmerzhaft sein kann.

Fazit: Weniger Dogmatismus, mehr Pragmatismus

Bei der Anwendung von Scrum und anderen agilen Managementmethoden gilt, wie so oft im Leben, dass der pragmatische Umgang allen Beteiligten hilft. Auf individuelle Gegebenheiten und Bedürfnisse zu reagieren ist Garant für die erfolgreiche Anwendung. Wenig zuträglich für eine bessere Performance ist dagegen Dogmatismus, der alle agilen Prinzipien aus der Software-Entwicklung um jeden Preis auf weitere Bereiche umstellen will.

Der Beitrag wurde verfasst von Thomas Ring, Managing Partner der mmc AG.

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