Productivity Slowdown: Abwarten oder aktiv werden? Was Unternehmen tun können

Erschienen am: 3. Dezember 2018

Seit etwa den 1970er Jahren beobachten Ökonomen weltweit eine sich verringernde Produktivitätsrate. Der Productivity Slowdown hat sich empirischen Untersuchungen zufolge seit den 1990er Jahren noch weiter verstärkt. Volkswirtschaftlich gesehen ist der Productivity Slowdown insofern problematisch, als er die Wirtschaftsleistung verringert, die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen schwächt und so langfristig den Wohlstand gefährdet. Wo liegen die Ursachen für den Productivity Slowdown und was können Unternehmen tun, um ihm entgegenzuwirken? Damit beschäftigt sich Andrea Mollenhauer im aktuellen Beitrag.

Productivity Slowdown. Zahnräder, Produktivität

Woran liegt der Produktionsrückgang in den westlichen Industrienationen? (Bild: EtiAmmos – Adobe.com)

Harmlose Verzögerung oder langfristige Veränderung?

Die Perspektiven auf den Productivity Slowdown lassen sich grob in

zwei Lager unterteilen: Die Optimisten und die Pessimisten. Während die Optimisten davon ausgehen, dass es sich um ein zeitlich begrenztes Phänomen handelt, das sich bald von selbst geben wird, sehen die Pessimisten die Wirtschaftsleistung langfristig in Gefahr.

Mögliche Ursachen des Productivity Slowdown

Eine Literaturstudie des ZEW zum Productivity Slowdown kommt zu dem Ergebnis, dass – wie so oft in der heutigen komplexen Welt – die Ursachen vielfältig sind. Die Forscher stellen fünf Hypothesen auf, die den Produktivitätsrückgang erklären könnten:

  1. Abnehmende bzw. sich erschöpfende technologische Potenziale.

Einerseits steigen zwar die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in den Unternehmen, andererseits sinkt jedoch die Produktivität. Nun stellt sich die Frage: Ist das Technologiepotenzial ausgeschöpft – weshalb die Forschungsaktivitäten nicht mehr zu den gewünschten Ergebnissen führen?

  1. Geringe oder verzögerte Innovationsdiffusion.

Laut einer OECD-Studie von 2016 zeigt sich, dass die Kluft zwischen innovativen Vorreiterunternehmen und eher zögerlichen Firmen wächst. Während die einen zahlreiche erfolgreiche Innovationen entwickeln und auf den Markt bringen, hinken die anderen hinterher. Ob die Innovationsneigung in den weniger innovativen Firmen tatsächlich abnimmt, lässt sich jedoch bislang nicht mit Gewissheit sagen. Fakt ist aber wohl, dass die Diffusion von Wissen abnimmt, weshalb wenige Unternehmen im Hinblick auf ihre Produktivität profitieren, viele andere aber eben nicht.

  1. Produktionsgewinne aus der Digitalisierung stehen noch aus.

Hier kommen diejenigen zu Wort, die der Auffassung sind, dass der Productivity Slowdown ein vorrübergehendes Phänomen ist. Sie argumentieren, dass digitale Technologien und ihre Anwendungen noch in der Installationsphase sind und Unternehmen noch einige Zeit brauchen werden, um die hohe technologische Dynamik in Produktivitätsgewinne umzusetzen.

  1. Beschäftigten fehlt es an IT-Qualifikationen.

Mangelnde IT-Qualifikation könnte die Unternehmen daran hindern, das Potenzial der Digitalisierung – insbesondere im Bereich der Künstlichen Intelligenz voll auszuschöpfen.

  1. Sozialstruktureller Wandel verändert Nachfrage.

Aufgrund des steigenden Einkommens in vielen Gesellschaften und damit Wohlstandes steigt die Nachfrage nach Dienstleistungen stärker an als die nach Produkten. Dort ist aber das Wachstumspotenzial durch neue Technologien geringer – weshalb die Produktivität insgesamt sinkt.

Was können Unternehmen tun, um dem Productivity Slowdown entgegen zu wirken?

Während manche der oben genannten Faktoren nicht von Unternehmen beeinflusst werden können, gibt es aber sehr wohl Ansatzpunkte, an denen Unternehmen zumindest im eigenen Haus Produktivitätsrückgängen entgegenwirken können. Dies beinhaltet insbesondere Investitionen in die Innovationsfähigkeit, agile Vorgehensweisen und strukturelle organisatorische Veränderungen.

  1. Investitionen genauer prüfen.

Investitionen in die Produktentwicklung ebenso wie in die Prozessoptimierung sind immer auch mit Risiken verbunden. Daher ist es notwendig, schnell einen Return on Investment zu erzielen und die Zyklen durch ein agiles Vorgehen zu beschleunigen.

  1. Markteintrittsrisiko reduzieren.

Das Einführungsrisiko für neue Leistungsangebote lässt sich z.B. durch Hypothesen zum Anwendernutzen und deren Validierung oder durch Co-Development gemeinsam mit Schlüsselkunden reduzieren. So können Unternehmen sichergehen, dass sie nur in vielversprechende Ideen und Innovationen investieren, die die Chance haben, am Markt erfolgreich zu sein.

  1. In Qualifikation von Mitarbeitern investieren.

Gerade in Zeiten der Digitalisierung ist die Investition in die Qualifikation von Mitarbeitern zentral. Ihre Kompetenzen hinsichtlich digitaler Produkte und Anwendungen sowohl in der Entwicklung, als auch in der Nutzung zu fördern, ist entscheidend für die Zukunftsfähigkeit von Unternehmen. Denn die Mitarbeiter sind das wichtigste Kapital von Unternehmen.

  1. Organisationsstruktur anpassen.

All diese Punkte funktionieren nur, wenn die Unternehmenskultur und die Organisationsstruktur so gestaltet sind, dass sie ihre Wirkung entfalten können. Das bedeutet: Vernetzung und Transparenz müssen Wissenstransfer über alle Organisationsebenen hinweg ermöglichen – sonst sind keine Innovationen möglich. Eigenständigkeit und Vertrauen in die Mitarbeiter müssen ihnen Freiräume garantieren – sonst können sie keine kreativen Lösungen für die Probleme von morgen entwickeln. Und die beständige Weiterentwicklung des Mitarbeiterpotenzials ist eine Investition in die Zukunft – sonst werden einerseits die notwendigen Skills über Kurz oder Lang fehlen und andererseits gut ausgebildete Fachkräfte zu anderen Unternehmen abwandern.

Der Beitrag wurde verfasst von Andrea Mollenhauer, Managing Partner der mmc AG.

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