Planung in einer komplexen Welt: Unsicherheit einkalkulieren

Erschienen am: 28. Juni 2018

Planung scheint notwendig zu sein – zumindest bekommen wir das im Laufe unseres (Aus-)Bildungsweges immer wieder eingetrichtert. Fakt ist aber: Die Welt verändert sich und wird immer komplexer. Aussagen über Ursache-Wirkungszusammenhänge sind in vielen Bereichen äußerst schwierig bis unmöglich. Wie lassen sich trotzdem gute Entscheidungen treffen? Darüber schreibt heute Andrea Mollenhauer im mmc Magazin.

Komplex und kompliziert

Komplizierte Problemlagen gab es schon immer. Komplexe auch – aber von denen werden es stetig mehr. Worin liegt der Unterschied? Komplizierte Herausforderungen lassen sich durchschauen – komplexe hingegen sind undurchsichtig und können auch unvorhergesehene Wendungen nehmen.

Ein Beispiel: Die Feinmechanik einer Uhr besteht aus vielen hundert Einzelteilen, die zusammenwirken und ist damit kompliziert. Auch ein Straßensystem mit schmalen Gassen und Einbahnstraßen fällt in diese Kategorie.

Komplex hingegen wird es, wenn Ursache und Wirkung nicht mehr in einen Zusammenhang gebracht werden können. Wenn beispielsweise die Finanzmärkte plötzlich verrücktspielen ist das meist nicht auf eine bestimmte Ursache zurückzuführen. Stattdessen gibt es viele verschiedene Auslöser, die wiederum diverse Hintergründe und Handlungszusammenhänge aufweisen. Daher ist es äußerst schwierig bis kaum möglich die Ursache zu beheben.

Planung unter komplexen Bedingungen

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Auch wenn die Ausgangslage komplex ist: Entscheidungen müssen trotzdem getroffen werden. (Bild: © Sergey Nivens | Fotolia)

Auch unter komplexen Marktbedingungen müssen Unternehmen jedoch Entscheidungen treffen. Sie müssen sich für oder gegen Produkte und Dienstleistungen entscheiden, ohne genau zu wissen, wie die Umwelt, in der diese angeboten werden, in den nächsten Jahren aussehen wird. Entscheidungen sind also von großer Unsicherheit geprägt.

Wie ist in diesem Kontext noch Planung möglich? Viele Unternehmen begehen den Fehler, auch bei Innovationsprojekten mit dem gleichen Planungsansatz wie in traditionellen Geschäften vorzugehen. Das Problem: Zahlreiche aufwändige Planungsrunden ohne verwertbare Erkenntnisfortschritte verschwenden Zeit und Geld und führen zu Frustration. Gerade bei Innovationsprojekten müssen Unsicherheit und Unvorhersehbares akzeptiert und in die Überlegungen integriert werden.

Wie müssen sich Unternehmen aufstellen?

Unternehmen müssen sich strukturell und methodisch neu aufstellen und ihre Organisationsweise an die Komplexität der Umwelt anpassen.

Dezentrale Strukturen

Unternehmen, bei denen die Entscheidungskompetenzen vor Ort liegen, die über dezentrale Netzwerkstrukturen verfügen und ein gutes Vertrauensklima haben, sind unter komplexen Bedingungen im Vorteil. Denn sie können schneller und flexibler Entscheidungen treffen, die nicht erst durch verschiedene Hierarchieebenen wandern müssen.

Customer Centricity

Veränderte Kundenbedürfnisse und neue Marktbedingungen gelangen schneller zu den Entwicklerteams, wenn konsequent der Ansatz der Kundenzentrierung verfolgt wird. Feedback gelangt unmittelbar zu den entscheidenden Schaltstellen. Durch Co-Development lassen sich schneller effektivere und qualitativ hochwertigere Ergebnisse erzielen.

Agile Methoden

Das iterative Vorgehen bei agilen Methoden wie Scrum oder Kanban ermöglicht es Unternehmen, Produkte und Services Schritt für Schritt an die Bedürfnisse der Kunden anzupassen. Agile Methoden arbeiten nach dem Prinzip „Always Beta“. Produkte und Dienstleistungen werden also mit Luft designt, die Raum für schnelle und flexible Anpassungen lassen. In einer sich schnell wandelnden Welt ist das ein unschätzbarer Vorteil.

Intuition statt Rationalität

Für Manager und Entscheidungsträger wird es immer wichtiger, sich auf ihr Bauchgefühl zu verlassen. Einschlägige Magazine wie Handelsblatt und Manager Magazin feiern schon seit längerem den Sieg des Bauches über den Kopf. Der Grund: In „Bauchentscheidungen“ fließen unbewusst und in Sekundenschnelle zahlreiche Erkenntnisse und Erfahrungen ein – ohne dass derjenige diese rational und konkret benennen könnte. Entscheidungen werden dadurch schneller möglich und gleichzeitig qualitativ hochwertig. Studien konnten sogar zeigen, dass Top-Manager, die sich auf ihr Bauchgefühl verlassen, erfolgreicher sind als solche, die nur nach (vermeintlicher) Rationalität urteilen. Mehr dazu lesen Sie auch unter Bauch oder Kopf? Intuition für Manager.

Fehler müssen erlaubt sein

Auch wenn Sie agil, kundenzentriert und intuitiv vorgehen: Fehlentscheidungen lassen sich nie ganz vermeiden. Gerade unter komplexen Bedingungen. Wer solche Fehlentscheidungen verteufelt und anprangert, der schießt sich aber ein Eigentor. Eine offene Fehlerkultur, in der es möglich ist, offen über Misserfolge zu sprechen, ermöglicht das Lernen aus Fehlern – den eigenen und denen der anderen. So lassen sich Fehler dann künftig vermeiden oder zumindest reduzieren.

Der Beitrag wurde verfasst von Andrea Mollenhauer, Managing Partner der mmc AG.

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