Agiles Controlling: Flexibel bleiben, Alternativen bewerten!

Erschienen am: 22. März 2018

Das klassische Projektmanagement ist auf dem absteigenden Ast. Das liegt vor allem am Prozess der digitalen Transformation. Denn sie hat zur Folge, dass Innovationen schneller auf den Markt kommen müssen, damit Unternehmen konkurrenzfähig bleiben. Mit der Hinwendung zum agilen Projektmanagement verändern sich auch die Rollen der Mitarbeiter: Den klassischen Projektmanager gibt es nicht mehr. Doch wie werden Fortschritte in agil gemanagten Projekten kontrolliert? Wie sieht agiles Controlling in der Praxis aus?

Der Projektmanager – oder was aus ihm geworden ist

Agile Projektmanagementmethoden haben viele Vorteile im Vergleich zum klassischen Wasserfallmanagement (Mehr dazu auch unter Agile Management statt Wasserfall: Schneller und flexibler zur Marktreife): Vor allem sind sie schneller und näher an den Bedürfnissen des Kunden.

Auch für die Mitarbeiter bieten agile Methoden Vorteile: Während der Sprints, wie sie z.B. bei Scrum vorgesehen sind, arbeiten sie weitgehend selbstbestimmt an ihren Aufgaben. Das bietet ein hohes Maß an Eigenständigkeit und großen Spielraum für Kreativität.

Damit kommt dem Projektmanager, der im agilen Management gar nicht mehr so heißt (bei Scrum spricht man z.B. vom Scrum Master), eine neue Rolle zu. Er ist vornehmlich Ansprechpartner bei Konflikten und Problemen und hat die Aufgabe, eine produktive Arbeitsumgebung zu schaffen, Störungen auszuschalten und ein konzentriertes Arbeiten zu ermöglichen. Der Projektleiter (oder wie auch immer man ihn oder sie nennen möchte) ist also weniger Chef als vielmehr Coach.

Wozu agiles Controlling?

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Auch bei agil gemanagten Projekten müssen Ziele erreicht werden. (Bild: © NicoElNino – Fotolia.com)

Nichtsdestotrotz: Auch im agilen Projektmanagement müssen Meilensteine und Zwischenziele erreicht werden. Doch wie kann agiles Controlling aussehen, wenn es den Projektmanager als Ansprechpartner so nicht mehr gibt?

Auch wenn Vertrauen zwischen Mitarbeitern und Führungskräften sowie große Freiräume das Arbeiten in agil gemanagten Projekten bestimmen, bleibt die Rolle des Controllers zentral. Hört man „Controller“ so ist bei den meisten die erste Assoziation „Kontrolle. Die Funktion eines Controllers beinhaltet aber weit mehr. Er sollte dem Projekt in allen Phasen beratend zur Seite stehen, da er die Projektentwicklung in finanziell relevante Größen wie Wachstum und Profitabilität übersetzt. Seine Analysen sind für Feedback-Loops und Iterationen essenziell, da sie Aufschluss über die finanziellen Erfolge des Projektes geben und gegebenenfalls zeigen, wo und wie nachgebessert werden muss.

Was beinhaltet agiles Controlling?

Agiles Controlling kann dabei beinhalten

  • Bewertung von Strategiealternativen
  • Einschätzung von Markt- und Wettbewerbsbedingungen
  • fortlaufende Konsistenzkontrolle
  • Simulation von Szenarien
  • Einschätzung aus verschiedenen Blickwinkeln
  • Fortschrittskontrolle durch z.B. User Stories

Agiles Controlling muss Alternativen betrachten und bewerten

Entscheidend ist: Agiles Controlling muss sich dem Vorgehen im agilen Projektmanagement anpassen. Konkret bedeutet das die schrittweise Begleitung der einzelnen Phasen eines Projektes, das ist z.B. durch flexible Entscheidungsbäume, die Betrachtung von Stratetegiealternativen, kontrafaktische Überlegungen oder die Analyse mehrerer möglicher Szenarien möglich.

Agiles Management funktioniert nach dem Prinzip „Always beta“, also ständiger Vorläufigkeit. Produkte und Dienstleistungen werden stetig nachgebessert, so dass in Iterationen das Ergebnis immer weiter optimiert wird – in enger Abstimmung mit dem Kunden, dessen Sichtweise im Zentrum steht.

Die Rolle eines agilen Controllings ist dabei, die finanzielle Rentabilität und Profitabilität zu bewerten – und zwar in jeder Phase neu. So fließt auch diese Perspektive mit in die Produktentwicklung ein; getreu dem Grundsatz, dass viele verschiedene Blickwinkel ein Problem besser und umfassender lösen können, als einer allein.

Der Beitrag wurde verfasst von Michael Mollenhauer, Managing Partner der mmc AG.

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