Agile Management statt Wasserfall: schneller und flexibler zur Marktreife

Erschienen am: 26. Oktober 2017

Dass die Digitalisierung Märkte und Innovationszyklen rasant beschleunigt, ist längst bekannt. Unternehmen stellt das vor große Herausforderungen. Unternehmensstrategien und Projektmanagement-Methoden müssen sich an die neuen Geschwindigkeiten anpassen, müssen flexibler, wendiger und vor allem: agil werden. In diesem Beitrag erfahren Sie, wie agile Management aussieht, wie Sie Ihr Unternehmen fit für die „agile Revolution“ machen und wie Sie die Methoden auf Ihre individuellen Voraussetzungen anpassen können.

Wasserfall war gestern

agile Management, Agilität

Agile Management macht Unternehmen fit für schnellere Innovationszyklen. (Bild: © Argus – fotolia.com)

Klassisches Projektmanagement denkt in langen Planungshorizonten. Finanz- und Budgetpläne, teilweise mit jahrelanger Gültigkeit, werden erstellt. Aufgaben werden definiert, die in strikt vorgegebener Reihenfolge Schritt für Schritt abgearbeitet werden müssen. Es folgt eine Phase von Entwicklungen und Tests, Nachbesserungen, erneute Tests… bis ein Produkt zur Marktreife gelangt, müssen viele Akteure ihr OK geben, Innovationen werden verwässert, der Prozess zieht sich oft über Jahre.

In der Vergangenheit mag dieses Vorgehen sinnvoll gewesen sein. Heute jedoch laufen Unternehmen, die so arbeiten, Gefahr, von schnelleren, wendigeren, flexibleren Konkurrenten überholt zu werden.

Was bringt ein perfekt ausgearbeitetes Produkt, wenn es erst auf den Markt kommt, wenn längst innovativere Angebote verfügbar sind? Das Gebot der Stunde lautet deshalb: „Better done than perfect.“ (Mehr dazu auch im Beitrag Wege zur Startup-Kultur in Traditionsunternehmen).

Agile Management vs. Wasserfall: Was sind die Unterschiede?

Aus der Software-Entwicklung hat sich deshalb das agile Management auf alle Bereiche des Projektmanagements ausgeweitet. Gegenüber dem klassischen Projektmanagement nach dem Wasserfallschema hat es verschiedene Vorteile:

  1. Engere Anbindung zum Kunden: In regelmäßigen Abständen wird der Zwischenstatus der Entwicklung mit dem Kunden abgesprochen. So kann einfacher nachjustiert werden und die Kundenzufriedenheit steigt.
  2. Schneller ein fertiges Produkt: Beim agilen Projektmanagement wird schnell eine Rohversion entwickelt. Diese wird in einem iterativen Prozess immer weiter optimiert. Natürlich in enger Abstimmung mit dem Kunden.
  3. Mehr Flexibilität: Auf kurzfristige Änderungen der Rahmenbedingungen kann mit agile Management schnell reagiert werden, da der iterative Prozess zyklisch, in bestimmten Zeitabständen, verläuft. Nach jedem so genannten „Sprint“ wird der Status quo überprüft und neue Aufgaben definiert.
  4. Mehr Freiheit und Eigenverantwortung: Einen klassischen Projektmanager gibt es bei agilen Methoden wie Scrum, Kanban oder Extreme Programming nicht mehr. Es gibt aber die Rolle eines Moderators, der Ansprechpartner bei Problemen ist und dafür sorgt, dass die Teams ihre Aufgaben gut erfüllen können, indem er z.B. für die notwendige Infrastruktur, gute Kommunikationsmöglichkeiten sorgt und Konflikte moderiert.
  5. Testen des Produktes unter Realbedingungen: Auch vorläufige Lösungen – denn eine finale Lösung gibt es nach dem Grundverständnis des agile Management gar nicht mehr – werden schnell zur Marktreife gebracht. Die Prämisse dabei ist, dass Produkte so designt sein müssen, dass sie eine Art Rohversion darstellen, die verändert und angepasst werden kann. Ähnlich wie eine App, die durch Updates Fehler beheben, Sicherheitslücken schließen oder neue Funktionen erfüllen kann. Das Prinzip lautet „Always beta“. Durch dieses Vorgehen kann das Produkt schnell verkauft werden und damit rentabel sein. Andererseits fließen Kundenfeedback und –wünsche wieder in die Weiterentwicklung ein und tragen so zur stetigen Optimierung bei.

Kulturelle Auswirkungen

Die Umstellung auf agile Management-Methoden beinhaltet jedoch mehr, als die Führungskräfte in einen Scrum-Workshop zu schicken. Vielmehr sind auch kulturelle Veränderungen, neue Denk- und Sichtweisen notwendig, um die alten Fahrwasser zu verlassen.

  1. Transparenz: Regelmäßig werden die erzielten Ergebnisse vorgestellt und überprüft. Konkurrenzdenken zwischen den einzelnen Teams oder Streit um Ressourcen ist hier fehl am Platz. Informationen und Wissen müssen geteilt werden, um schnell zu Lösungen zu kommen.
  2. Vernetzung: Kommunikation zwischen Entwicklerteams untereinander sowie mit dem Management ist essenziell. Nur wenn die Ergebnisse allen zugänglich gemacht werden, ist ein sinnvolles Arbeiten möglich.
  3. Offenheit: Das gilt zum einen hinsichtlich der Denkweisen: Auf den ersten Blick verrückte Lösungen können der erste Schritt zu einer genialen Innovation sein. Zum anderen gilt das Prinzip der Offenheit auch in Bezug auf den Raum. Um die Prinzipien Transparenz und Vernetzung wirklich erfüllen zu können, müssen die Team-Mitglieder entweder physisch oder virtuell im gleichen Raum sitzen, so dass Kommunikations- und Abstimmungsprozesse ohne große Umwege möglich sind.
  4. Fehlerkultur: Aus Fehlern zu lernen und schnell nachzubessern ist ein Prinzip des agile Management. Fehler muss man als Geschenk begreifen. Denn sie ermöglichen erst, sich zu verbessern.

Anpassung an das eigene Unternehmen: Agilität ist kein Selbstzweck

Genauso klar wie die Notwendigkeit zur Modernisierung des Projektmanagements ist aber auch, dass Agilität kein Dogma sein darf. Die Lehrbuch-Methoden sind die eine Sache – ihr Einsatz in der Praxis die andere.

Gerade alteingesessene und erfolgreiche traditionell strukturierte Unternehmen sollten nicht von heute auf morgen alles umwerfen, was sie bisher gemacht haben. Viel wichtiger ist es, sich auf die Kernkompetenzen und die Unternehmenswerte zu besinnen. Auf dieser soliden Basis können die Verantwortlichen dann überlegen: Wie können wir unsere Managementmethoden modernisieren, flexibler gestalten und schneller werden?

Sich Anregungen aus der reinen Methodik zu holen, ist dabei sicher sinnvoll. Diese sollten dann jedoch angepasst werden auf die jeweils individuellen Bedürfnisse der Unternehmen und der Mitarbeiter sowie auf das jeweilige Produktportfolio.

Denn Agilität ist nicht Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck. Ziel muss immer sein, das Unternehmen fit für die Zukunft zu machen, zum Wohle von Mitarbeitern und Kunden.

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Der Beitrag wurde verfasst von Thomas Ring, mmc Partner und Vorstand der mmc AG.