Vertrauen schon gemessen?

Erschienen am: 27. Februar 2014

Vertrauen wird mehr den je zu einem zentralen Element einer erfolgreichen Unternehmens- und Organisationsentwicklung, wie bereits Michael Mollenhauer in seinem Interview „Vertrauen aufbauen dauert lange, Vertrauen verlieren von jetzt auf sofort“ sowie Thomas Ring in seinem Kommentar „Großprojekte – Können wir´s noch?“ dargelegt haben. Nur die Frage, die sich stellt, ist, kann man Vertrauen messen.

Wir haben dieses Thema mit Peter P. Müller, Partner der mmc AG, im Rahmen der Interviewreihe „Vertrauensmanagement“ kritisch diskutiert.

Schönen Guten Tag Herr Müller, Vertrauen ist ein wichtiger Faktor für nachhaltigen Unternehmenserfolg. Sehen dies Unternehmenslenker genauso oder ähnlich? Was sind Ihre Erfahrungen?

Peter Müller, mmc AG, Senior Berater, Partner, Experte

(c) Peter Müller, mmc AG

Aus meiner Sicht gewinnt das Thema Vertrauensmanagement immer mehr an Bedeutung, vor allem im Unternehmens- und Organisationskontext. Die Unternehmensskandale der vergangenen Monate und Jahre, eine Vielzahl gescheiterter (Prestige-)Projekte, Verzögerungen bei Kundenlieferungen etc. zeigen stets aufs Neue, wie schnell Firmen und Institutionen mit wegbrechenden Umsätzen, erheblichen Imageverlusten bis hin zum Überleben zu kämpfen haben. Und vieles, sehr vieles hängt mit dem Thema „Vertrauen“ zusammen.

Unternehmenslenker verstehen zunehmend den Wert von Vertrauen im Unternehmen und für das Unternehmen. In vielen Unternehmen beginnt hier ein Umdenken. Das Management sieht die Notwendigkeit für dieses Thema.

Wenn in Unternehmen ein positives Vertrauensklima herrscht, muss bzw. sollte dies Auswirkungen auf die Organisation haben. Können Sie uns dies an einigen Beispielen darlegen?

Ein positives Vertrauensklima hat unterschiedliche Auswirkungen auf Organisationen. Wenn das notwendige Vertrauen im Unternehmen vorherrscht, dann steigt die Produktivität. Die Innovationsfähigkeit und Innovationsleistung erhöht sich spürbar. Alle sind wesentlich motivierter und ziehen mehr an einem Strang. Auch die Flexibilität der Mitarbeiter selbst und die Bereitschaft für Veränderungen steigt.

Um Ihnen ein Beispiel zu geben: Wir hatten neulich ein Projekt zur Optimierung der Organisation in einem Unternehmen. Dort wurde immer noch mit Schuldzuweisung und Misstrauen geführt. Dieses führte dazu, dass alle guten Ideen, die die einzelnen Mitarbeiter hatten, nie aufgegriffen und eingeführt wurden. Somit blieb die hohe Arbeitsbelastung auf allen Positionen in diesem Unternehmensbereich bestehen. Die Mitarbeiter waren frustriert und demotiviert. Der Krankenstand war höher als anderswo. Erst durch unseren Projektansatz, in dem wir mit den Mitarbeiter einen unsichtbaren Vertrag in dem Projekt abgeschlossen hatten, öffnet man sich und konnte Verbesserungen einführen. Innerhalb von wenigen Monaten sank der Krankenstand und die Motivation der Mitarbeiter erhöhte sich. Und dies hatte so am Ende vom Tag eine klare Auswirkung auf das Unternehmensergebnis. Alleine an diesem Beispiel sieht man gut, wie Vertrauen wirkt.

Dem Aufbau eines Vertrauensklimas kommt somit eine besondere Bedeutung zu. Können Sie uns einige Merkmale für ein Vertrauensklima nennen?

Es gibt zahlreiche Merkmale für ein Vertrauensklima bzw. an dem man dieses festmachen und auch messen kann. Das sind z.B. die Klarheit der Kommunikation, die Sicherheit der Beschäftigung, die Verlässlichkeit der Spielregeln, Raum für Initiativen, die Wertschätzung der Mitarbeiter durch das Unternehmen und die Identifikation der Mitarbeiter mit dem Unternehmen. Dies sind einige, die das Vertrauensklima bestimmen.

Lesen Sie auf Seite 2, ob und wie man Vertrauen messen kann.

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