Vertrauen aufbauen dauert lange, Vertrauen verlieren von jetzt auf sofort

Erschienen am: 13. Februar 2014

Vertrauen ist eine lebensnotwendige Basis für die erfolgreiche Entwicklung von Unternehmen und Organisationen und stellt Führungskräfte vor eine wachsende Herausforderung in unserer immer komplexeren Welt. Vertrauen eröffnet nachweislich ein beträchtliches Potenzial menschlicher und ökonomischer Leistung, während Vertrauensschwund unterschiedlicher Art Unternehmen bis an den Existenzrand bringen kann.

Dieses Interview mit Michael Mollenhauer ist der Auftakt zu einer mehrteiligen Interviewreihe zum Thema „Vertrauensmanagement“.

Schönen Guten Tag Herr Mollenhauer, bitte stellen Sie sich kurz vor.

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(c) mmc AG – Michael Mollenhauer

Ich bin Gründer und Vorstand der mmc AG, ein Beratungsunternehmen, dessen Partner seit vielen Jahren Unternehmen bei der Entwicklung und Umsetzung von Strategien in vielfältiger Weise unterstützen.

Vertrauen ist ein ständig und oft genutztes Wort. Was bedeutet eigentlich Vertrauen?

Unter Vertrauen versteht man normalerweise das feste Überzeugtsein von Verlässlichkeit oder Zuverlässigkeit einer Person oder einer Sache. Derjenige, der einer Person, einer Sache, einem Unternehmen oder einem Produkt vertraut, erbringt damit freiwillig eine Vorleistung (z.B. eine Leistung oder den Kauf einer Ware) und verzichtet auf weitergehende Sicherungs- und Kontrollmaßnahmen. Damit ist die Erwartung des Vertrauensgebers verbunden, dass der Andere auf opportunistisches, für den Vertrauensgeber möglicherweise nachteiliges Verhalten verzichtet. Vertrauen ist also eine Gehirnsache.

Gibt es hier einen Unterschied zwischen Vertrauen im privaten Umfeld und dem geschäftlichen Kontext?

Nicht so sehr im Prinzip, jedoch sehr hinsichtlich der Komplexität. Während im privaten Umfeld es häufig eher um bilaterale Beziehungen zwischen Personen geht, ist Vertrauensmanagement im geschäftlichen Kontext eine mehrdimensionale Aufgabe. So geht es nicht nur um die Beziehungen zwischen dem Unternehmen und der Öffentlichkeit, sondern alle Stakeholder-Interessen sind relevant. Das Verhältnis zwischen Mitarbeitern und Unternehmensführung spielt eine wichtige Rolle. Das Verhältnis zwischen Unternehmen und seinen Kunden und zu den Lieferanten ist einzubeziehen. In einer Zeit, in der Unternehmenszusammenschlüsse (aber auch Unternehmensabspaltungen) immer häufiger werden, geht es auch um das Vertrauensverhältnis zwischen Unternehmen. Das Wort Vertrauen ist im Business-Umfeld genauso wie im Privaten ein sehr hohes Gut, vor allem wenn man die immer wiederkehrenden Unternehmensskandale sieht.

Kann man Unternehmen, Unternehmensvertretern und Experten noch “vertrauen”?

Ihre Frage setzt voraus, dass es eine Wahl gäbe. Dem ist aber nicht so. Seit dem Zeitalter der Industrialisierung basiert unser wirtschaftliches Handeln auf Arbeitsteilung. Arbeitsteilung setzt Vertrauen in die Leistung des jeweils anderen voraus. Lediglich wenn es Alternativen gibt, können Sie wählen, wem Sie vertrauen können und wollen. Damit ist Vertrauen zu einem Wettbewerbsfaktor geworden. Oder anders gesagt, wem man nicht vertrauen kann, „der fliegt“.

Was bedeutet es, wenn Unternehmen Vertrauen im Markt und bei ihren Zielkunden verlieren?

Vertrauen aufbauen dauert lange, nicht selten dauert es sogar Generationen. Vertrauen verlieren dagegen geht von jetzt auf sofort. Erinnern Sie sich an die verschiedenen Skandale noch, wie Elch-Test, Pferdefleisch-Skandal und … und … und? Meist waren diese Ereignisse mit unmittelbaren Umsatzverlusten – häufig im hohen zweistelligen Prozentbereich – und einhergehenden Ergebniseinbrüchen verbunden. Zwar erholen sich einige Unternehmen nach etwa ein bis zwei Jahren und gewinnen Vertrauen zurück. Und dennoch bleibt etwas zurück. An manche der genannten Skandale erinnern wir uns noch heute, obwohl sie sich schon vor 30 Jahren ereigneten.

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