Tugendhafte Unternehmensführung: Alte Tugend in neuem Glanz

Erschienen am: 8. Dezember 2017

Tugend – ein Wort, das aus dem heutigen Sprachgebrauch so gut wie verschwunden ist. Aber was angestaubt klingt, ist aktueller denn je, oder sollte es zumindest sein. Denn Führungskräfte sollten nicht nur fachlich kompetent, sondern auch charakterstark und integer sein. Wie wichtig Sozialkompetenz und ein Gespür für verantwortungsvolles und werteorientiertes Handeln im unternehmerischen Umfeld gerade heute sind, haben Skandale in Konzernen wie Ergo, Siemens, VW oder der Deutschen Bank in der jüngsten Vergangenheit eindrucksvoll gezeigt. Aber auch in jüngsten Umfragen zu den gewünschten Kompetenzen von Führungskräften spielt der Charakter wieder eine große Rolle.

Tugend – ein Klassiker, der nicht aus der Mode kommt

Tugend – wer das Wort hört, denkt mindestens an das vorletzte Jahrhundert. Je nach Lehre und Urheberschaft standen verschiedene positive Charaktereigenschaften im jeweiligen Tugendkatalog. Auch wenn das Wort „Tugend“ heute aus der Mode gekommen ist – viele der damals gerühmten Eigenschaften sind für Führungskräfte auch heute noch Erfolgsgaranten.

  • Mut zum unternehmerischen Risiko

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    Wie sieht tugendhafte Unternehmensführung aus? (Bild: © psdesign1 – Fotolia.com)

  • Demut im Sinne des Erkennens der inneren und äußeren Begrenzungen eines Vorhabens und die Unterordnung unter Regeln von Recht, Gesetz und Moral
  • Klugheit, um Entscheidungen und ihre Folgen abzuschätzen
  • Gerechtigkeit gegenüber Mitarbeitern, Geschäftspartnern und Konkurrenten
  • Beharrlichkeit bei der Verfolgung einer Geschäftsidee
  • Integrität, also die Orientierung an einem Wertekanon, den sich das Unternehmen und seine Führung zu eigen macht

Soziale Tugenden wie Vertrauen, Wertschätzung und Aufrichtigkeit sind vor allem im Verhältnis zwischen Mitarbeitern und Führungskräften entscheidend für eine erfolgreiche Personalführung – und im Grunde gleichzusetzen mit dem moderneren Begriff der Sozialkompetenz.

Neue Führungskultur: Sozialkompetenz wird immer wichtiger

Dass die charakterliche Eignung und die Sozialkompetenz bei der Unternehmens- und Personalführung immer wichtiger werden, ist vor allem einem Wandel im Führungsverständnis geschuldet.

Unternehmen funktionieren heute nicht mehr ausschließlich nach dem autoritären Prinzip von „Chef befiehlt, Mitarbeiter führt aus.“ Die Komplexität der Märkte und Produkte fordert mehr als bloße Erfüllungsgehilfen. Nur eigenständig denkende Mitarbeiter mit vielen Freiheiten und der Möglichkeit zur Selbstorganisation können Innovationspotenzial entwickeln. Der Führungsstil in modernen, vernetzten Unternehmen wird deshalb partnerschaftlicher und funktioniert durch die Schaffung der richtigen Rahmenbedingungen. Mitarbeiter und Führungskräfte begegnen sich vermehrt auf Augenhöhe und nehmen einander ernst. Vertrauen in die Fähigkeiten des anderen, Wertschätzung seiner bzw. ihrer Meinung und Aufrichtigkeit im Umgang sind die zentralen Merkmale einer erfolgreichen Geschäftsbeziehung.

Der Chef als Coach

Führungskräfte sind nicht mehr in erster Linie als Fachleute auf einem bestimmten Gebiet gefragt. Viel wichtiger ist ihre Sozialkompetenz. Sie sind Coaches und Moderatoren, lösen Konflikte, schaffen ein produktives Arbeitsumfeld, ein gutes Betriebsklima und organisieren die Zusammenarbeit in Teams. Sie sind Ermöglicher und Ansprechpartner für Entwickler- und Projektteams. Dass Sozialkompetenz für Führungsaufgaben zunehmend wichtig wird, bestätigte auch der Hays Report mit dem Schwerpunkt Führung.

Integre Unternehmensführung vs. Skandalproduzenten

Die Orientierung an Werten, Charakterstärke und Integrität ist jedoch nicht nur auf der Mikroebene im Verhältnis Führungskraft – Mitarbeiter entscheidend. Auch für die Außenwirkung geben eine tugendhafte Personal- und Unternehmensführung entscheidende Impulse. Wo ein autoritärer Führungsstil kritische Mitarbeiter mundtot macht, die Angst vor einem Scheitern oder Misserfolg dazu führt, dass Fehler unter den Teppich gekehrt werden und ständige Überwachung und Kontrolle Duckmäusertum fördert, da verfestigen sich intern Missstände, die dann mit einem lauten Knall an die Öffentlichkeit kommen, das ganze Unternehmen skandalträchtig in Verruf bringen und oft dramatische Umsatzeinbrüche zur Folge haben. Werte schaffen Wert.

Tugendhafte Führung, Sozialkompetenz im HR-Management und werteorientiertes Handeln im Unternehmen dienen also nicht nur einer weißen Weste und einem ruhigen Nachtschlaf – sondern sie sichern auch die materielle Zukunft des Unternehmens in einem Umfeld mit wachsender Konkurrenz.

Der Beitrag wurde verfasst von Antje Felscher, Kommunikationsexpertin der mmc AG.

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