Strategische Kooperationen haben ihre Besonderheiten

Erschienen am: 22. September 2015

Strategische Kooperationen haben im internationalen Wettbewerb erheblich an Bedeutung gewonnen. Sie zielen darauf ab, über eine Zusammenarbeit von rechtlich und wirtschaftlich selbstständigen Unternehmen Wettbewerbsvorteile zu erreichen.

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Rüdiger Kraege – Senior Advisor der mmc AG (© mmc AG)

Wir haben das Thema „Strategische Kooperationen“ mit Rüdiger Kraege, Senior Advisor der mmc AG, in einem Interview erörtert.

Einführung in Strategische Kooperationen

Schönen guten Tag Herr Kraege, Sie haben sich über viele Jahre mit strategischen Kooperationen auseinandergesetzt. Was sind strategische Kooperationen?

Strategische Kooperationen bezeichnen alle Arten der Zusammenarbeit, bei denen sich zwei oder mehr Unternehmen zusammenschließen und denen ein klar definierter Kooperationsinhalt zugrund liegt. Meist sind strategische Kooperationen mittel- bis langfristig angelegt und haben für alle beteiligten Unternehmen eine – wie der Name schon sagt – strategische Bedeutung. Die Kooperationen können sowohl eine funktionale als auch eine regionale Ausrichtung haben.

Neben strategischen Kooperationen gibt es auch noch funktionale und regionale Kooperationen von Unternehmen: Bei funktionalen Kooperationen arbeiten Unternehmen vor allem fachlich zusammen, wie z.B. im Bereich der Fertigung & Entwicklung, Logistik oder Produktion.

Bei regionalen Kooperationen stehen bestimmte regionale Märkte im Fokus, die gemeinschaftlich bearbeitet werden. Diese Art der Kooperation kann von einer losen informellen Zusammenarbeit bis hin zur Gründung eines gemeinschaftlichen Unternehmens gehen.

Wie können strategische Kooperationen genutzt werden? Welche Gründe und Motive haben Unternehmen?

Strategische Kooperationen können unterschiedlichste Zielsetzungen haben. Ein sehr häufig genanntes Motiv ist „Economies of Scale“. Hier geht es um die Erlangung von Größenvorteilen gegenüber Mitbewerbern und um den Ausbau von Synergien hinsichtlich Technologien und Systemkompetenz. Mit strategische Kooperationen können auch gezielt Kosten reduziert werden, z.B. durch den Zugang zu spezifischem Know-how, das sonst gesondert aufgebaut werden müsste, oder einfach nur Fixkostensenkung, durch die Zusammenarbeit auf bestimmten Gebieten. Weitere Motive für strategische Kooperationen sind Risikoreduzierung, Wettbewerbsbeeinflussung oder auch staatliche Investitionshemmnisse, die dadurch überwunden werden können.

Für Unternehmenslenker stellt sich immer wieder die Frage von Kooperieren versus Kaufen. Welche Vorteile haben strategische Kooperationen im Vergleich zur klassischen Akquisition?

Die Vorteile liegen im begrenzten Risiko auf allen Seiten. Man hat eine größere strategische Flexibilität im jeweiligen Kooperationsbereich. Die Motivation ist tendenziell höher, weil – jedenfalls meistens – alle Partner mitziehen. Eine klassische Akquisition ist dann interessant, wenn ein Unternehmen schnell wachsen möchte, ein bestehendes Konkurrenzunternehmen ausschalten will, operativen Durchgriff benötigt und / oder bessere Kontrollmöglichkeiten sicherstellen muss.

Strategische Kooperationen richtig managen

Das Management von strategischen Kooperationen gilt als sehr schwierig. Warum?

Strategische Kooperationen haben spezielle Eigenschaften. Meist entstehen diese aufgrund eines singulären Ereignisses oder aus einem bestimmten Impuls heraus. Durch ihre strategische Bedeutung ist der Ressourceneinsatz in der Regel relativ hoch, was eine Art Multi-Personalität und Multi-Organisationalität beinhaltet. Gleichzeit ist die Zusammenarbeit häufig von einem hohen Maß an Unsicherheit begleitet, da die Akteure nicht vorhersehen können, wie sich die Zusammenarbeit entwickelt. Wichtig ist, dass eine gute Vertrauensbasis auf allen Seiten ent- und besteht, um eine strategische Kooperation zum Erfolg zu führen.

Strategische Kooperationen sollten idealerweise immer auch ein Controlling installiert haben. Auch dieses gilt als schwierig. Was muss man berücksichtigen?

Auch für das Controlling bringen strategische Kooperationen einige Besonderheiten mit, die es zu bewältigen gilt. Die Kooperationspartner haben trotz der gemeinsamen Basis partiell divergierende Ziele. Strategische Kooperationen sind immer einmalig und eine Premiere – Erfahrungswerte fehlen also. Auch sogenannte Best Practices, an denen sich die Zusammenarbeit ausrichten oder an der sie sich zumindest orientieren kann, sind nicht vorhanden. Meist bringen die Kooperationspartner auch unterschiedliche Controlling-Systeme mit, die aufeinander abgestimmt werden müssen. Zugleich ist es aber wichtig, dass die Kooperation auf beiden Seiten in die bestehende Organisationsstruktur integriert wird, um hier nicht ein loses, frei schwebendes Konstrukt zu haben. Unsicher ist natürlich auch, wie sich das Partnerunternehmen entwickelt. Es ist einfach wichtig, dass die Partner an einem Strang ziehen und mögliche Hemmnisse in einem guten Miteinander lösen.

Herr Kraege, vielen Dank für die Einführung in strategische Kooperationen.

 

Das Interview mit Rüdiger Kraege führte Oliver Foitzik (Partner von mmc und Redaktionsleitung mmc Magazin).

 

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