Strategische Kooperation: Kontrolle ist gut, Vertrauen ist besser

Erschienen am: 6. Juni 2017

Kooperation ist älter als die Menschheit. Neben dem Homo Sapiens sind auch Primaten und andere Säugetiere in der Lage, zusammenzuarbeiten, um gemeinsame Ziele zu erreichen. Auch Unternehmen kooperieren miteinander – auf strategische Art. Eine strategische Kooperation sorgt dafür, dass Unternehmen auch in der zunehmend komplexen Welt am Markt bestehen können. Wie sich einst menschliche Gesellschaften von primitiven Clans zu heute hochentwickelten städtischen und staatlichen Formen des Zusammenlebens entwickelten, so differenzieren sich auch das Wirtschaftssystem und die Märkte immer weiter aus. Experte für alle Bereiche zu sein – das funktioniert schon längst nicht mehr. Strategische Kooperation ist deshalb ein Muss für alle Beteiligten.

Steigende Komplexität schafft Abhängigkeiten

Der Megatrend Digitalisierung und die disruptiven Veränderungen, die er für Geschäftsmodelle, Produkte und Services mit sich bringt, verstärken die Notwendigkeit der Zusammenarbeit weiter. Während digitale Dienstleister keine eigenen Produkte entwickeln, die sich verkaufen ließen, sind traditionelle Unternehmen oft nicht in der Lage, ihre bisherigen Angebote zu „smartifizieren“. Strategische Kooperation bietet hier Chancen für alle Seiten, Marktanteile zu gewinnen und sich Wettbewerbsvorteile zu sichern.

Unternehmen müssen sich aufeinander einstellen

In der Praxis ist strategische Kooperation aber nicht immer einfach. Die Verhandlungspartner müssen viel Einfühlungsvermögen, Toleranz und Akzeptanz für die Gegenseite mitbringen. In Gesprächen treffen mitunter strikt hierarchisch strukturierte Unternehmen, bei der jede Entscheidung durch alle Ebenen gehen muss, auf netzwerkartig strukturierte Startups, bei denen kurze Wege und schnelles Agieren die Kultur prägen. Wenn die Partner in einem offenen Dialog vorab klären, was sie von der Zusammenarbeit erwarten und wie sich gemeinsame Ziele erreichen und umsetzen lassen, dann lassen sich nicht nur gemeinsam wirtschaftliche Erfolge erzielen, sondern auch das Bauchgefühl auf beiden Seiten stimmt.

Menschen prägen Unternehmen

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Eine strategische Kooperation schafft Wettbewerbsvorteile. (Bild: Matthias Enter – fotolia.com)

Wie wir alle wissen, sind Unternehmen keine seelenlosen Konzerne. Sie bestehen auch und vor allem aus Mitarbeitern und Führungskräften. Kurz: Aus Menschen, die das Unternehmen vorantreiben, die für seinen Erfolg sorgen, die seine Kultur prägen und gestalten. In der Zusammenarbeit von mehreren Unternehmen ist es deshalb nicht nur wichtig, dass die wirtschaftliche Bilanz stimmt. Strategische Kooperationen können nur erfolgreich funktionieren, wenn es auch menschlich harmoniert.

Das mediationsanaloge Konzept für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit

Damit die Zusammenarbeit auf ökonomischer und menschlich-emotionaler Ebene erfolgreich verläuft, empfiehlt sich das mediationsanaloge Konzept der Kooperation.

  1. Arbeitsschritte festlegen: Gemeinsam legen die Kooperationspartner fest, welche Ziele sie mit der strategischen Kooperation erreichen wollen und definieren einen Zeitplan.
  2. Themenkatalog definieren: Die verschiedenen Themen werden an die Beteiligten aufgeteilt. Konfliktthemen werden besprochen.
  3. Interessen klären: Alle Beteiligten legen offen, welche wirtschaftlichen Interessen sie mit der Zusammenarbeit verfolgen.
  4. Lösungsansätze entwickeln: Eventuelle Konfliktthemen werden im Team diskutiert und so aufgelöst, dass alle Beteiligten profitieren.
  5. Charta konsolidieren: Die Beratungsergebnisse werden festgeschrieben.
  6. Dialog führen: Alle Betroffenen werden in den Entscheidungsprozess eingebunden.

Strategische Kooperation basiert auf Vertrauen

Entscheidend ist, dass beide Seiten sich gegenseitig Vertrauen entgegenbringen. Zum Start der Kooperation ist daher erstmal ein Vertrauensvorschuss notwendig. Dieser muss sich jedoch schnell bis mittelfristig auszahlen. Denn es ist Gift für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit, wenn eine Seite sich über den Tisch gezogen fühlt. Die Folge wäre, dass Kooperation draufsteht, wo Konkurrenz drin ist: Jeder versucht nur noch für sich das Maximum herauszuholen, ohne auf die Ziele und Bedürfnisse des Kooperationspartners zu achten.

Es ist deshalb im Interesse aller Beteiligten, dass eine strategische Kooperation auf Vertrauen, Dialog und gemeinsamen Zielen und Werten fußt. Nur so können schnelle Entscheidungen getroffen werden, ohne dass jede Seite akribisch nachkontrollieren muss und so den Vorteil der Kooperation wieder zunichtemacht. Denn wie im Privatleben so funktioniert auch in der Wirtschaft eine Partnerschaft nur, wenn gegenseitiges Vertrauen vorhanden ist.

Der Beitrag wurde verfasst von Andrea Mollenhauer, Partnerin der mmc AG.

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