Sicher führen in der Unsicherheit: Management in einer komplexen Welt

Erschienen am: 13. Juli 2017

Führungskräfte sollen führen. Mitarbeiter erwarten klare Ansagen, ein strategisches und planvolles Vorgehen. Doch gerade in einer beschleunigten und komplexen Welt, in der die Märkte hochgradig volatil sind und Unsicherheit zunimmt, müssen auch Unternehmensentscheidungen revidierbar sein und sich ständig an neue Bedingungen anpassen können. Wie können Manager unter diesen Umständen ihren Mitarbeitern gegenüber die notwendige Sicherheit ausstrahlen und sinnvolle Entscheidungen treffen?

Kopf…

Globale Verflechtung, sich schnell wandelnde Märkte, Digitalisierung: Das ist die Umwelt, in der Unternehmen heute agieren und Management-Entscheidungen getroffen werden müssen. Zahlreiche Faktoren entscheiden über Wohl und Wehe einer Geschäftsidee, eines Unternehmens. So viele Faktoren, dass es unmöglich ist, sie alle zu kennen, geschweige denn in Entscheidungen einzubeziehen.

Genau das ist aber der Anspruch, den der Mythos vom rationalen Entscheiden vermittelt: Gerade wenn es um wirtschaftliche Entscheidungen geht, dann sollen wir alle Eventualitäten und Einflussfaktoren einbeziehen, um dann eine stabile Präferenz auszubilden und uns für die beste Lösung zu entscheiden. Praktisch funktioniert hat das noch nie – und es wird immer schwieriger. Die meisten Manager lassen sich (zumindest offiziell) trotzdem noch immer allein von Statistiken, Daten, Analysen und Fakten bei ihren Entscheidungen leiten. Das Problem an der Sache: Vor wenigen Monaten erhobene Zahlen können heute schon wieder veraltet sein.

…oder Bauch?

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Auch Manager sollten sich hin und wieder auf ihr Bauchgefühl verlassen. (Bild: magele-picture – Fotolia.com)

Tatsächlich treffen wir die meisten unserer Entscheidungen aus dem Bauch heraus. Bei 20.000 Entscheidungen pro Tag würde uns alles andere in die schiere Verzweiflung treiben. Im Geschäftsleben haben Bauchentscheidungen aber einen schlechten Ruf. Der Grund: Wenn etwas schiefläuft, dann will kaum einer sagen, er habe „intuitiv“ entschieden. Denn dann sind beweisbare Fakten zur Rechtfertigung gefragt, auf ihnen basieren seriöse Entscheidungen.

Doch auch Bauchentscheidungen sind keine Entscheidungen, die emotional und aus Lust und Laune gefällt werden. Vielmehr greifen wir bei intuitiven Entscheidungen auf unbewusst vorhandenes Wissen zurück, das in unserer Wahrnehmung aber nicht präsent ist. In die Entscheidung fließt es trotzdem mit ein – nur, dass wir sie oft in Sekundenschnelle treffen. Sinnvollerweise wird der rationale Entscheidungsprozess durch intuitive Entscheidungen ergänzt – weil es schneller geht und weil oft die besseren und kreativeren Lösungsmöglichkeiten für Probleme gefunden werden. Im Management ist das mittlerweile angekommen. Verschiedene Methoden wurden bereits entwickelt, um die Ressource Bauchgefühl anzuzapfen.

Unsicherheit im Griff mit dem Prinzip „Always Beta“

Doch auch die beste intuitive Entscheidung kann sich im Umsetzungsprozess oder unter gewandelten Bedingungen als falsch oder teilweise falsch herausstellen. Wenn politische Regulierung, geänderte Handelsbeziehungen, Skandale, neue Wettbewerber und technologische Neuerungen ganze Märkte revolutionieren, dann müssen Managemer ihre Entscheidungen revidieren und anpassen. Mit dieser Unsicherheit müssen sowohl Führungskräfte als auch Mitarbeiter umgehen. Falsch wäre es, nun gar keine Pläne und Strategien mehr zu entwickeln. Sie sollten aber, ähnlich wie das in der Software-Entwicklung schon längst üblich ist, immer mit „Luft“ entwickelt werden. Der Grundsatz in Zeiten der Unsicherheit heißt „Always Beta“: Kein Plan ist endgültig, er ist immer nur ein vorläufiger Plan, der sich nach Bedarf anpassen lässt. So werden Strategien, ebenso wie Produkte, immer wieder erneuert und überarbeitet, so dass sie immer zum gegenwärtigen Zeitpunkt ideal sind.

Kurskorrekturen richtig kommunizieren

Doch wie kommuniziert man ständige Kurskorrekturen seinen Mitarbeitern? Auch in der Unsicherheit erwarten diese schließlich ein sicheres Auftreten. Entscheidend ist deshalb ein offener Kommunikationsprozess, in den Betroffene einbezogen werden. Transparenz aller Informationen ist deshalb Pflicht, damit das Nachjustieren von den Mitarbeitern nicht als planloses Hin und Her wahrgenommen wird. Von einer solchen offenen und transparenten Informationskultur profitiert auch das Unternehmen, da zum einen das Vertrauen der Mitarbeiter in das Management steigt. Zum anderen identifizieren die Mitarbeiter sich stärker mit dem Unternehmen, wenn sie sich an strategischen Entscheidungen beteiligen können.

Entschleunigung fördert Vertrauen

In der Praxis lässt sich das Vertrauen in die Führungskultur und in das Unternehmen durch Regelmäßigkeit, die noch dazu zu effizienteren Abstimmungsprozessen beiträgt, steigern. Monatsmeetings sollten z.B. so vorbereitet und abgehalten werden:

  • Vorbereitung der Unterlagen vorab
  • Treffen am Vorabend mit informellen und bilateralen Gesprächen, um Informationen auszutauschen
  • Durchsicht der Unterlagen am Vorabend und morgens vor dem Treffen
  • Ab 10 Uhr ein dreistündiges Meeting, an dessen Ende Beschlüsse stehen

Solche verschlankten Arbeits- und Abstimmungsprozesse erleichtern den Informationsfluss und steigern dadurch das Vertrauen in das Management. Außerdem sorgen effizientere Arbeitsprozesse für weniger Stress und mehr Zeit für wichtigere Dinge: bei Mitarbeitern und bei Führungskräften.

Der Beitrag wurde verfasst von Andrea Mollenhauer, Partner der mmc AG.

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