Moderne Unternehmensführung muss beides können: Vorgaben machen und Freiräume gewähren

Erschienen am: 23. Mai 2017

„Der Chef im Großraumbüro“ – das ist das Bild, das heute viele von moderner Personal- und Unternehmensführung haben. Ständige Ansprechbarkeit statt Terminabsprache über Sekretärinnen, Vernetzung statt Hierarchie, Freiheit statt Kontrolle. Diese Schlagworte sind von der Startup-Szene längst in die Welt der etablierten Unternehmen herübergewandert und prägen dort die Change-Prozesse. Doch schließen sich diese Welten tatsächlich aus? Die Wahrheit über moderne Unternehmensführung liegt irgendwo dazwischen.

Was ist „Gute Führung“?

Laut einer Studie des „Forums Gute Führung“ aus dem Jahr 2014 sehen 77 Prozent der befragten Manager zwar den Bedarf, ihren Führungsstil zu verändern. Gleichzeitig aber schätzen Sie die Realität pessimistisch ein: Zum einen sei der Weg zu einer modernen, werteorientierten Führungskultur noch weit. Zum anderen sind sie der Ansicht, dass sie selbst nicht in der Lage dazu sind, diesen notwendigen Wandel herbeizuführen.

In der Studie wurden rund 4.000 Führungskräfte nach ihren Einschätzungen und Erfahrungen in Form von Tiefeninterviews befragt. Idealerweise sollte Unternehmens- und Personalführung heute auf diesen Prinzipien gründen, so die Befragten:

  • Transparenz von Informationen
  • Arbeiten in Teams
  • Beteiligung möglichst vieler an Denk- und Entscheidungsprozessen
  • Flexibilität von Zeit, Raum, Gedanken und Aufgaben

Den Ist-Zustand sahen die Manager jedoch anders. Die Führungskultur in Unternehmen sei noch immer hierarchisch strukturiert und gründe in erster Linie auf dem Erhalt der bestehenden Verhältnisse, klagten sie. Statt Kreativität regiere Aufgabenerfüllung, statt Kooperation zwischen Mitarbeitern und Führungskräften basiere das Verhältnis auf Autorität.

Freiheit oder Kontrolle?

Tatsächlich braucht die heutige globalisierte und digitalisierte Wirtschaftswelt eine andere Führungskultur als das industrielle Zeitalter. Gerade wenn innovative Produkte kreative Denkprozesse erfordern, darf es keine (oder nur sehr begrenzte) Vorgaben geben. Nur wenn auch „Spinnereien“ erlaubt sind, können tatsächlich neue Ideen entstehen und wachsen. Hierarchische Organisationsstrukturen, in denen jede Ebene die neuen Entwicklungen erst abnicken muss, bremsen Innovationen aus. Hier sind also Agilität und Vernetzung gefragt.

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Personalführung muss flexibler werden: Kreativtechniken und Agilität ergänzen klassische hierarchische Führungsstile. (Bild: UBER IMAGES – fotolia.com)

Moderne Unternehmensführung muss beides können

Aber: Kein Unternehmen kann überleben, wenn es nur innovative Prototypen entwickelt (Lesen Sie dazu auch den Beitrag über kontinuierliche Kostensenkungen von Thomas Ring), ohne sie jemals zur Marktreife zu bringen und in die Massenproduktion einzusteigen. In der operativen Umsetzung geht es deshalb im nächsten Schritt darum, Produkte zu optimieren, sie möglichst hochwertig und in großer Stückzahl zu produzieren. Im Idealfall schaffen Unternehmen Produkte, die große Marktanteile erobern. Diese etablierten Produkte sorgen für den Cashflow in Unternehmen, der „den Laden am Laufen hält“. Klare Verantwortlichkeiten, Terminpläne und Vorgaben sorgen hier dafür, dass effizientes Arbeiten möglich ist.

Auch den Mitarbeitern kommt so ein Führungsmix zugute. Nicht jeder ist schließlich der kreative Typ, der durch freies Assoziieren die besten Ideen hat. Viele bevorzugen klare Aufgabenstellungen mit fixen Terminen, an denen sie sich orientieren können. Die Kunst der Personalführung besteht darin, Mitarbeiter dort einzusetzen, wo sie sich wohlfühlen und die beste Leistung erbringen.

Hierarchie und Selbstorganisation schließen sich nicht aus

Moderne Unternehmensführung setzt also auf beides: Auf Selbstorganisation und auf Hierarchie, auf Freiheit und auf Kontrolle, auf Innovation und auf Massenproduktion. Wichtig ist jedoch, sich je nach Aufgabenstellung und Zielsetzung für die richtige Form der Interaktion zwischen Mitarbeitern und Führungskraft zu entscheiden. Denn nur so lassen sich in allen Bereichen optimale Ergebnisse erzielen.

Der Beitrag wurde verfasst von Michael Mollenhauer, mmc Partner und Vorstand der mmc AG.

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