Mitbestimmung 4.0: Vertrauensvoller Dialog statt Arbeitskampf

Erschienen am: 9. Mai 2017

Disruptive Veränderungen infolge der Digitalisierung und die sich immer rasanter verändernden Rahmenbedingungen führen dazu, dass Unternehmen und ihre Geschäftsmodelle zunehmend unter Druck geraten. Das Management ist daher in vielen Fällen gezwungen, auch existenzielle Entscheidungen zu treffen und durchzusetzen, da sonst die Zukunft des Unternehmens als Ganzes gefährdet wäre. Das ist nicht immer populär. Arbeitnehmervertretungen stellen sich gegen Restrukturierungspläne, protestieren oder streiken. Damit alle Beteiligten an einem Strang ziehen, müssen Zukunftsentscheidungen im vertrauensvollen Dialog getroffen werden.

So besser nicht: Das Beispiel Allitalia

Die italienische Staatsairline Allitalia sorgte in den vergangenen Wochen immer wieder für Schlagzeilen. Der Grund: Bislang wurde sie hauptsächlich durch Finanzspritzen des Haupteigners Etihad in der Luft gehalten. Damit soll jetzt Schluss sein. Gewerkschaften und Management hatten einen Sanierungsplan für das Unternehmen ausgehandelt – der aber von der Belegschaft abgelehnt wurde. Nun droht ein Insolvenzverfahren – auch wenn die italienische Regierung mit einem Kredit einspringen will, bis ein Käufer für Allitalia gefunden wird. Es bleibt abzuwarten, ob der Krimi um die marode Airline für Unternehmen und Bedienstete ein gutes Ende nimmt – oder ob das frühere Staatsunternehmen für immer am Boden bleibt.

Mitbestimmung und Dialog sind essenzielle Bestandteile der deutschen Wirtschaft und Teil ihres Erfolgsmodells. Dialog hat auch im Falle von Allitalia stattgefunden: Auch die Gewerkschaften hatten dem Umstrukturierungsplan nach zähen Verhandlungen zugestimmt. Im letzten Schritt gelang es aber nicht, die Notwendigkeit von Gehaltskürzungen und Entlassungen an die Mitarbeiter des Unternehmens zu kommunizieren. Wie können Unternehmen es besser machen?

Vertrauensvoller Dialog – Konflikte minimieren durch Kommunikation und Einbeziehung

Umstrukturierungen und Change-Prozesse in Unternehmen sind fast immer anstrengend, da sie alle Seiten zwingen, eingefahrene Routinen zu überdenken und umzuwerfen. Oft bedeuten sie auch, dass andere Kompetenzen als bisher gefragt sind. Das löst Ängste aus.

Mitbestimmung, vertrauensvoller Dialog, Vertrauensmanagement, Brückenbauer, Lösungen finden, Dialog

Ein vertrauensvoller Dialog hilft Konflikte zu minimieren – vor allem durch Kommunikation und Einbeziehung der relevanten Beteiligten. (Bild: © Gajus / fotolia.com)

Damit alle Beteiligten an einem Strang ziehen um die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens sicherzustellen, ist ein vertrauensvoller Dialog zwischen Betriebsrat und Management unabdingbar. Von Anfang an müssen auch die Mitarbeiter und ihre Vertreter Management-Entscheidungen nachvollziehen können. So weit wie möglich sollten Betroffene in den Prozessen zu Beteiligten werden. Nur wenn die Sozialpartner gemeinsam Perspektiven entwickeln, sind diese auch tragfähig.

Mitbestimmung – Fahrplan in die Zukunft

Damit das Unternehmen zukunftsfähig wird, sollten sich Betriebsrat und Management über folgende Punkte verständigen:

  • Vision: Wie sollen die Unternehmensbereiche und Standorte in Zukunft aussehen? Welche Erwartungen sind damit verknüpft?
  • Unternehmensführung: Wie sollen Kompetenzen, Organisationsstrukturen, Unternehmensprozesse und Zuständigkeiten in Zukunft gestaltet werden?
  • Soziale Auswirkungen: Wie können die Veränderungen und Umstrukturierungen für die Beschäftigten sozialverträglich gestaltet werden, so dass möglichst viele Arbeitsplätze erhalten bleiben?
  • Risiken: Welche Unsicherheiten bleiben für das Unternehmen trotz Umstrukturierung bestehen? Wie können diese minimiert werden?

Oft werden Change-Prozesse und Umstrukturierungsmaßnahmen mit externer Hilfe vorbereitet und umgesetzt.  Neutrale Externe, in ihrer Rolle als Moderatoren und Mediatoren, können ebenfalls wirkungsvoll den beteiligten Sozialpartner helfen, bestehende Konflikte zu lösen und zu guten und nachhaltigen einvernehmlichen Vereinbarungen zu schließen. Entscheidend ist aber in jedem Fall, im Gespräch zu bleiben: Denn für die Zukunft des Unternehmens immer noch die Menschen existenziell.

Der Beitrag wurde verfasst von Michael Mollenhauer, mmc Partner und Vorstand der mmc AG.

 

Eine Antwort auf “Mitbestimmung 4.0: Vertrauensvoller Dialog statt Arbeitskampf”

Sagen Sie uns Ihre Meinung

  • (will not be published)