Mit Disziplin zum erfolgreichen Komplexitätsmanagement

Erschienen am: 13. Mai 2016

Ständige Neuerscheinungen von Produkten führen zu einem komplexen Geschäftsmodell, das es gilt zu beherrschen. Aus diesem Grund ist ein effizientes Komplexitätsmanagement von zunehmender Bedeutung. Das Unternehmen sollte sich deshalb fragen: Was ist wirklich wichtig? Oft gibt es Bereiche, die völlig in Vergessenheit geraten sind, sich aber dennocht auf die Produktivität auswirken.

Komplexitätsmanagement, Management

Ein effektives Komplexitätsmanagement hilft, den Überblick zu behalten. (Quelle: © pixelrobot / fotolia.com)

Thomas Ring, Berater für Top-Führungskräfte, zeigt im Interview, auf was es wirklich ankommt und wie ein optimales Komplexitätsmanagement die Produktivität des Unternehmens steigert.

„Mit Disziplin zum erfolgreichen Komplexitätsmanagement” – Thomas Ring im Interview

Wir sind zu kompliziert – wie vereinfachen wir unser Geschäftsmodell und sind dennoch innovativ?

Komplexität schleicht sich über die Zeit ein: Sei es durch spezifische Anforderungen von Kunden, die zu immer neuen Varianten führen oder durch Parallelentwicklungen in der Forschung und Entwicklung, also die dauernde Neuerfindung des Rades. Auch der Vertrieb erachtet gerade das Produkt, das aus dem Sortiment genommen werden soll, dann plötzlich als besonders wichtig. Komplexitätsmanagement erfordert Disziplin und Konsequenz, sei es bei Produkten, bei Prozessen und auch in der Strategie. Die Grundfrage lautet: Was brauchen wir wirklich und warum? Regelmäßige Durchforstung von Produkten, Prozessen und Strategien ist unbedingt notwendig. Wenn wir morgen neu anfangen würden – was bräuchten wir wirklich?

Vor ein paar Jahrzehnten war es wichtig, dass auf jedes noch so kleine Detail geachtet wird. Woran liegt die Veränderung zum Minimalismus im Produktdesign?

Details sind nach wie vor wichtig – Kunden achten auf Details und möchten am liebsten das komplett individualisierte Produkt. Der Trick liegt darin, Individualisierung auf Basis von standardisierten Modulen zuzulassen und diese Individualisierung auch in einem entsprechenden Preispremium abzubilden. Also kundenspezifische Produkte aus dem Baukasten. Wichtig ist hierbei, die Anzahl und Ausprägung der Individualisierungs-Elemente des Baukastens unter Kontrolle zu behalten. Wenn hier kreative Konstrukteure und Ingenieure die Oberhand gewinnen und immer neue Varianten in das Geschäftsmodell einspeisen, dann lässt sich die Kundenorientierung des Angebots nur noch schwer rentabel abbilden. Ein wesentliches Element ist ein intelligenter Konfigurator, der nur bestimmte Elemente und Ausprägungen anbietet, aber den Eindruck der weitgehenden Individualisierung vermittelt.

Welche Bereiche umfasst erfolgreiches Komplexitätsmanagement?

Komplexität kann in fast allen Bereichen eines Unternehmens entstehen: Im Produkt-und Leistungsangebot, in der Forschung und Entwicklung, im Vertrieb, in der Beschaffung und natürlich auch in der Administration. Hier gilt das Gesetz, dass sich jede überflüssige Kapazität immer auch eine Nachfrage sucht und schafft. Ist unnötige Komplexität einmal entstanden, nützt nur ein strenges und stringentes Durchforsten aller vorhandenen Angebote, Prozesse und Strukturen. Die Grundfrage muss sein: Wie würde ich diese Leistung, dieses Problem oder diesen Prozess angehen, wenn ich keine Leistungen, Prozesse oder Strukturen hätte. Also praktisch überlegen, wie man auf der grünen Wiese agieren würde.

Welche Vorteile bringt ein effizientes Komplexitätsmanagement?

Thomas Ring, mmc, mmc AG

Thomas Ring (Quelle: ©
mmc AG)

Kontinuierliches Komplexitätsmanagement hält Strukturen und Prozesse schlank. Ein ausuferndes Sortiment von Produkten und Leistungen – vermeintlich notwendig, um Kundenwünsche zu erfüllen – führt zu erhöhtem Aufwand in fast allen Funktionsbereichen: Supply Chain Management wird schwieriger, Out-of-stock Situationen häufiger, das bedingt einen erhöhten Aufwand in der Auftragsbearbeitung. Der Vertrieb wird aufwendiger – von der Preisliste bis zum Verkaufsgespräch. Die Entwicklung hat mehr Aufwand mit der Sortimentspflege. Der Einkauf wird suboptimal. Und so weiter. Durch effizientes Komplexitätsmanagement kann dies verhindert werden. So wird auch das Sortiment vereinfacht, die Qualität bleibt erhalten, wenn nicht sogar verbessert.

Welchen Einfluss haben die Kunden auf das Komplexitätsmanagement?

Kunden sind vermeintlich die Treiber von Komplexität, weil sie am liebsten das Einzelprodukt in Stückzahl Eins haben möchten? Weit gefehlt: 99,99 % aller Kundenanforderungen sind mit einem standardisierten, aber flexiblen Angebot zu erfüllen. Die eigentlichen Treiber der Komplexität sitzen im Hause selbst. Mangelndes Bewusstsein für die Folgen zusätzlicher Komplexität, fehlende Disziplin, Unkenntnis über bereits vorhandene Lösungen, unnütze Kreativität in der x-ten Variante – all das kann zu einem Wust führen, der nicht mehr rentabel beherrschbar ist. Hier gilt es, die interne Kommunikation zu perfektionieren und Mitarbeiter zu motivieren, ihre Ideen vorzutragen. Denn hier versteckt sich das Fundament des Komplexitätsmanagements.

Im Komplexitätsmanagement fügen sich mehrere Faktoren zusammen. Deshalb ist es eine effektive interne Kommunikation zwingend notwendig.

Das Interview mit Thomas Ring führte Oliver Foitzik, Partner bei mmc und Redaktionsleiter des mmc Magazins.

Sagen Sie uns Ihre Meinung

  • (will not be published)