Mediation zur Konfliktklärung zwischen Geschäftspartnern

Erschienen am: 10. Mai 2016

Mediation, Kooperation, Strategie-Umsetzung

Eine gezielte Mediation hilft Geschäftspartnern bei einer klaren Linie. (© Trueffelpix / fotolia.com)

Seine langjährige Beratungserfahrung zeichnet Michael Mollenhauer damit aus, dass er sich in den Unternehmen und deren Strukturen auskennt. Damit die interne und externe Unternehmenskommunikation durch mögliche Konfliktfälle nicht aus den Fugen gerät, unterstützt er die beteiligten Geschäftspartner auch als Mediator.

Im Interview verrät er anhand von Best Practice Beispielen, welche positiven Auswirkungen die Mediation auf die Strategieumsetzung hat.

„Mediation zur Konfliktklärung zwischen Geschäftspartnern“ – Interview mit Michael Mollenhauer

Herr Mollenhauer, Sie arbeiten für Ihre Mandanten auch als Mediator. Was muss ich mir darunter vorstellen?

Es geht dabei um die Behandlung von Konfliktfällen zwischen Geschäftspartnern, sei es innerhalb von Unternehmen oder Organisationen, oder auch zwischen Unternehmen oder Kooperationspartnern.

Die Mediation ist eine bewährte Alternative gegenüber der rechtlichen Behandlung eines Konflikt- oder Streitfalles, ist auch eine Alternative zu einer Schlichtung.

Begriff und Vorgehen bei der Mediation ist in Deutschland seit 2012 auch durch das Mediationsgesetz geregelt.
Danach ist die Mediation ein vertrauliches und strukturiertes Verfahren, bei dem Parteien mithilfe eines oder mehrerer Mediatoren freiwillig und eigenverantwortlich eine einvernehmliche Beilegung ihres Konflikts anstreben. Ein Mediator ist eine unabhängige und neutrale Person ohne Entscheidungsbefugnis, die die Parteien durch die Mediation führt.

Können Sie das anhand von Beispielen aus Ihrer Praxis konkreter beschreiben?

Ja, so gab es bei einem Facility-Management-Unternehmen im Zuge des Generationenwechsels in einem Familienunternehmen immer wieder Konflikte zwischen den Gesellschaftern. In einem mediations-analogen Verfahren wurden zwischen den Parteien Vereinbarungen entwickelt, um die Beziehungen innerhalb der Organisation, aber auch zwischen den Familienstämmen und zwischen den Gesellschaften neu für die Zukunft zu regeln. Es wurde quasi eine neue „Familienverfassung“ entwickelt. Das machten die Konfliktparteien eigenverantwortlich unter Anleitung des Mediators.

Es gibt auch andere Bespiele: Während es bei dem vorgenannten Beispiel, dem Facility-Management-Unternehmen um die Beilegung eines Konfliktes ging, wollten zwei Unternehmen aus der Konsumgüter-Branche eine Vertriebs-Kooperation miteinander eingehen. Teilweise waren diese Unternehmen in der Vergangenheit in manchen Situationen sogar Wettbewerber. Hier hatte die Mediation nun die Aufgabe, möglich zukünftige Konfliktsituationen vermeiden zu helfen. Es ging also um Konfliktprävention. Die Kooperationspartner entwickelten eigenverantwortlich die Kooperationsvereinbarung, der Mediator führte als unabhängige und neutrale Person ohne Entscheidungsbefugnis durch das Verfahren.

Was ist denn typisch bei Familienunternehmen? Wie werden Konflikte dort am besten gemanaged?

Die am Konflikt beteiligten Personen können unterschiedliche Rollen einnehmen
Denken Sie an den Unternehmensgründer: Er ist vielleicht Familien-Oberhaupt, Gesellschafter und Firmenchef.
Daneben gibt es den Mitgesellschafter, der später hinzugekommen ist und als Mitglied der Geschäftsleitung den Vertrieb so erfolgreich ausgebaut hat, dass das Unternehmen in den letzten Jahren sehr erfolgreich gewachsen ist. Es gibt den Sohn, der einmal das Erbe antreten soll. Es gibt die Schwiegertochter des Mitgesellschafters, die heute die Produktion leitet.

Diese Menschen haben unterschiedliche Hüte auf, manche tragen sogar gleichzeitig mehrere Hüte: als Familienmitglied, als Gesellschafter, als Mitarbeiter oder Manager im Unternehmen. Die Mediation arbeitet dann mit dem sogenannten „Drei-Kreise-Modell“, in dem die unterschiedlichen Interessen, die mit den einzelnen Rollen verbunden sind, explizit berücksichtigt werden.

Wie unterscheidet sich die Mediation davon, wenn die Konfliktparteien vor Gericht gehen würden oder einen Schlichter beauftragen würden?

Unter anderem ist es die Eigenverantwortlichkeit, mit der die Konfliktparteien ihren Streitfall lösen. Der Schlichter schlägt mit seinem Schlichterspruch eine Lösung vor, in der Mediation erarbeiten die Konfliktparteien die Lösung selbst. Und genauso wichtig: Während vor Gericht nur die rechtliche Dimension entschieden wird, werden in der Mediation alle wichtigen Interessensgebiete angesprochen. Vor Gericht gibt es immer Gewinner und Verlierer, in der Mediation wird an der „Win-Win“-Lösung gearbeitet.

Warum werden dann nicht alle Konfliktfälle über eine Mediation gelöst?

Für eine erfolgreiche Mediation gibt es auch Voraussetzungen: Die am Konflikt Beteiligten müssen an der zukünftigen Beziehung interessiert sein. Wenn es nur darum geht, dem anderen zu schaden, wird es schnell „pathologisch“. Der Mediator wird deshalb gleich zu Beginn des Verfahrens, nämlich bei der Auftragsklärung, darauf achten, dass alle Parteien daran interessiert sind, den Fall einvernehmlich zu lösen. Die Mediation muss gewollt sein, sonst verkommt sie zur Alibiveranstaltung.

Sie schlagen also vor, viel häufiger Lösungen mit Hilfe der Mediation zu entwickeln?

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Michael Mollenhauer (© mmc Magazin)

Definitiv: So ist die Mediation in der Regel schneller und weitaus kostengünstiger als eine juristische Auseinandersetzung und es werden die Beziehungen zwischen den Parteien nicht nur geschont, sondern auch im Hinblick auf die zukünftige Zusammenarbeit verbessert. Alles findet – anders als vor Gericht – vertraulich statt. Statt auf abstrakte juristische Gesichtspunkte den Fokus zu setzen, führt das Mediationsverfahren zu konstruktiv-nachhaltigen Lösungen und wirtschaftlich sinnvolleren Ergebnisse. Sie liefert damit einen wichtigen Beitrag zur Strategie-Umsetzung. Die Unternehmensverantwortlichen kommen schneller dazu, sich wieder um ihre eigentlichen Kernaufgaben wie Führung, Entwicklung und Kundenpflege zu kümmern.

Das Interview mit Michael Mollenhauer führte Oliver Foitzik, Partner bei mmc und Redaktionsleiter des mmc Magazins.

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