Günstiges Klima für Unternehmenskauf: Carve-Outs, Exits und andere M&A-Vorhaben – wie lange noch warten?

Erschienen am: 5. November 2015

Unternehmen müssen sich ständig weiterentwickeln, um nachhaltig Bestand zu haben. Dafür ist die Weiterentwicklung des Unternehmensportfolios von großer Relevanz – sei es durch organisches Wachstum, durch den Erwerb neuer Geschäftsbereiche oder auch durch Verkauf von Unternehmensteilen. Der Markt für Unternehmenskauf und -verkauf ist aktuell günstig. Warum, erklärt der Unternehmensberater Michael Mollenhauer im Interview – und auch, worauf man bei der Weiterentwicklung des Unternehmens durch Erweiterung oder Verschlankung des Portfolios sonst noch achten sollte.

„Augen auf beim Unternehmenskauf“ – Michael Mollenhauer im Interview

Wir befinden uns momentan in der historisch längsten Niedrig-Zins-Periode, die Aktienkurse und Unternehmenswerte in die Höhe schnellen lässt. Warum ist das ein günstiges Klima für einen Unternehmenskauf genauso wie für die Bereinigung des Unternehmensportfolios?

Ein Unternehmensportfolio besteht ja in der Regel aus mehreren unterschiedlichen Geschäften. Diese Geschäfte können teilweise sehr unterschiedlich sein im Hinblick auf Umsatz, Ertrag, Wettbewerbsfähigkeit, Zukunftsperspektive. So kann ein Unternehmen in einem Bereich Marktführer sein, in einem anderen aber Kunden verlieren. Aber: Alle diese Unternehmensteile haben meist trotzdem einen Wert. Da aktuell die Unternehmenswerte sehr hoch sind, kann es durchaus lukrativ sein, sich von Unternehmensteilen zu trennen, die für die Unternehmensentwicklung weniger attraktiv, weniger passend sind. Auf diese Weise kann ich finanzielle Mittel freisetzen, die ich in die erfolgversprechenderen Unternehmensteile investieren kann, um dort beispielsweise mein Sortiment zu erweitern und neue Märkte zu erschließen. Aus Unternehmensverkauf und Bereinigung des Portfolios lassen sich aktuell also Ressourcen gewinnen, die anderswo effizienter eingesetzt werden können.

Sie empfehlen, beim Unternehmenskauf oder -verkauf die „Strategische Logik für erfolgreiche Transaktionen“ zu beachten. Was meinen Sie damit?

Die „Strategische Logik für erfolgreiche Transaktionen“ beantwortet vor einem Unternehmenskauf oder -verkauf die Frage, welche Art von Produkten und Dienstleistungen mich in meiner Unternehmensstrategie voranbringen können und welche nicht. Welche Geschäftsbereiche kann ich also nachhaltig gut für mein Unternehmen weiterentwickeln?

Auch erfahrene Unternehmer sind ja nicht davor gefeit, sich zu verzetteln und eine Vielzahl von Geschäftsbereichen und Projekten anzuhäufen. Das führt aber dazu, dass wertvolle Ressourcen wie Know How und Talente von Mitarbeitern und Führungskräften sowie finanzielle Mittel nicht immer effektiv eingesetzt werden. Deshalb sollte man sich auf die Geschäftsbereiche konzentrieren, die den Unternehmenswert steigern können – Entscheiden heißt nun mal auch Verzichten.

Beim Unternehmenskauf ist eine objektive Bewertung im Rahmen einer „Due Diligence“ ein Muss.

Vielfach erfolgen Transaktionen instinktiv. Ich möchte das an einem Beispiel erläutern: Ein Wurstwarenhersteller beobachtet den Trend, Wurst nicht mehr nur aus Rind- oder Schweinefleisch herzustellen, sondern zunehmend auch aus Geflügel. Zufällig steht in der Nähe ein Geflügelhof zum Verkauf und der Wurstwarenhersteller entscheidet sich dafür, den Hof zu kaufen. Das ist eine instinktive Entscheidung. An sich ist Instinkt beim Unternehmenskauf nichts Schlechtes. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt, dass instinktive Entscheidungen oft erfolgreich sein können.

Aber man darf auch die Zahlen und die Vernunft beim Unternehmenskauf nicht vernachlässigen. Deshalb sollte man sich vor M&A-Vorhaben immer fragen: Lohnt sich das eigentlich? Passt die geplante Erweiterung in mein jetziges Geschäft? Ist das für meine Kunden glaubwürdig? Oder springe ich nur auf einen Zug auf, ohne wirklich hinter der Sache zu stehen und ohne sie wirklich durchdacht zu haben.

Ob der Erwerb neuer Geschäftsbereiche zum Unternehmen passt, wird im Rahmen einer Due Diligence Strategie beantwortet. Durch Kundenbefragungen und Marktanalysen findet man heraus, wie groß neue Marktpotenziale sein werden, wie sie erschlossen werden können und wie Bestandskunden voraussichtlich reagieren werden. Ferner sollte die Erfolgswahrscheinlichkeit des Vorhabens bewertet werden. Beim Unternehmenskauf zählt, was man an Umsatz und Gewinn zu erwarten hat. Dazu gehört auch, ob sich Synergien mit dem bestehenden Kerngeschäft ergeben und ob die Unternehmenskulturen zusammenpassen. Alles Beispiele für Fragen, die man vor einem Unternehmenskauf im Rahmen einer Due Diligence beantworten sollte.

Herr Mollenhauer, herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Interview  mit Michael Mollenhauer führte Oliver Foitzik, Partner bei MMC und Redaktionsleiter des MMC-Magazins.

 

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