Großprojekte – Können wir´s noch?

Erschienen am: 20. Februar 2014

Thomas Ring, Senior Berater, Partner, mmc AG

(c) Thomas Ring, mmc AG

Ein Kommentar von mmc-Partner Thomas Ring im Rahmen der Themenreihe „Vertrauensmanagement“.

Großprojekte scheitern immer wieder

Ich möchte hier nicht über den Flughafen Berlin, die Elbphilharmonie, Drohnen oder andere misslungene öffentliche Großprojekte schreiben. Der alltägliche Wahnsinn ist wesentlich banaler! Stahlwerke, die nicht funktionieren, Züge, die nicht rollen, weil sie nicht ausgeliefert werden können, Atomkraftwerke, die mit Monaten Verzug ans Netz gehen, Windräder, die bereit sind, Strom zu produzieren, aber nicht angeschlossen werden können und stattdessen mit Dieselmotoren betrieben werden, um die Funktionsfähigkeit zu erhalten. Da stellt sich die Frage: Können wir in „Ingenieurs-Deutschland“ es noch?

Wenn jemand weiß, wie man Stahlwerke baut, dann doch ThyssenKrupp. Wenn jemand weiß, wie ein Atomkraftwerk laufen muss, dann Siemens – oder Züge oder Windkraftanlagen oder … oder … Die Liste kann leicht und locker fortgesetzt werden.

An der fehlenden Erfahrung mit großen Projekten kann es nicht liegen, auch nicht am mangelnden Know-how der Mitarbeiter. Und es kann sowieso nicht an den Systemen zum Projektmanagement, zur Projektabwicklung und zum Projektcontrolling liegen. Hier haben die Unternehmen Abermillionen ausgegeben – für Software, für Prozesse, für Berater, für Schulung und Training. Also müssen eigentlich die Kunden selbst Schuld sein? Es gibt wirklich gestandene Manager, die das behaupten.

Vertrauen fehlt

Meine Erfahrung nach 30 Jahren Beratung sagt mir: Hier fehlt etwas anderes. Es fehlt was sehr entscheidendes: Das Vertrauen!

Schauen Sie sich doch bitte einmal Projekte in Ihrem Hause an, die im Misserfolg, wenn nicht sogar Desaster, geendet sind. Woran lag es denn?

Hat der Vertrieb unter dem Druck von exorbitanten Umsatz-Zielen („Es gibt keine Probleme, nur Herausforderungen“ haben Sie vielleicht noch gesagt.“) ein großes Projekt „auf-Teufel-komm-raus“ verkauft, Warnungen der Entwicklung und der Produktion ignoriert oder heruntergespielt („No risk, no fun!“ sagte der Vertriebschef), falls sich die Kollegen dort überhaupt getraut haben, etwas Negatives angesichts der verlockenden vielen Millionen Auftragsvolumen zu äußern. Da wimmelt der Vertrag mit dem Kunden vor Unklarheiten, was die abzuliefernde Leistung angeht. Da sehen die Kollegen in der Anlagenkonzeption die technischen Probleme, sagen aber nichts. Da schweigt die Projektleitung über Monate, manchmal Jahre, Probleme weg. Alle Ampeln sind auf Grün. Alle sind zufrieden bis kurz vor Ultimo. Dann wird plötzlich klar, dass der Kunde das Ergebnis so nicht akzeptiert, dass die Anlage so nicht funktioniert, dass das Projekt nur mit Verlust abzuschließen ist, dass enorme Pönalen und Strafzahlungen drohen. Jetzt ergeht man sich in Schuldzuweisungen. Es rollt vielleicht dann der ein oder andere Kopf. Das war es dann aber auch. Keiner fragt sich, woran das Desaster denn nun lag – trotz aller Systeme, Erfahrung, Bezahlung, Motivation, Kontrolle.

Missverhältnis zwischen Vertrauen und Kontrolle

Würde man genau hinschauen, dann sähe man das Missverhältnis in der Balance von Vertrauen und Kontrolle. Man sähe, dass Systeme nur vermeintlich Sicherheit geben. Entscheidend ist, wie die Systeme angewendet werden. Wie das Management sich involviert, auch wenn (oder vielleicht gerade weil!) alle Ampeln auf Grün stehen. Entscheidend ist, dass verantwortliche Manager sich trauen, die Wahrheit zu sagen oder Zweifel zu äußern, weil sie darauf vertrauen können, dass der Überbringer der schlechten Nachricht eben nicht geköpft wird.

Genau hinzuschauen lohnt sich. Vertrauen ist messbar und das nötige Maß an Kontrolle auch. Die Systeme können besser genutzt werden. Harte Zahlen und Fakten können mit eher weichen Faktoren verbunden und korreliert werden.

Sie wollen wissen wie? Lesen Sie hier im mmc Magazin! Wir werden in den kommenden Wochen das Thema „Vertrauensmanagement in Unternehmen“ kritisch diskutieren und einige Ansätze vorstellen. Sie können mich auch gerne persönlich ansprechen und zum Dialog einladen. Ich freue mich auf Sie!

Ihr Thomas Ring

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