Enterprise 2.0: Wie verändern Firmennetzwerke unsere Arbeit?

Erschienen am: 14. März 2016

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Enterprise 2.0 und Firmennetzwerke verändern unsere Arbeit (Quelle: © froxx / fotolia.com)

Als Berater für Top-Führungskräfte weiß Thomas Ring, worauf es im Unternehmen ankommt und wie man Prozesse und Entscheidungen beschleunigt. Mit der Einführung des Enterprise 2.0, eines internen sozialen Netzwerkes, gelingt es Unternehmen, das Wissen der Mitarbeiter gezielt zu verarbeiten und zu verbinden und unternehmensweit zur Verfügung zu stellen. Mit diesem Werkzeug werden so – durch Vertrauen – Geschwindigkeit und Qualität deutlich gesteigert.

Thomas Ring spricht im Interview, auf was es bei Enterprise 2.0 ankommt und was dabei beachtet werden muss.

„Enterprise 2.0 und wie Firmennetzwerke unsere Arbeit verändern“ – Thomas Ring im Interview

Enterprise 2.0 bedeutet unter anderem, dass auf internen sozialen Netzwerken kommuniziert und geplant wird. Auf öffentlichen sozialen Netzwerken herrscht ein sehr familiärer Grundton. Besteht auf internen sozialen Netzwerken nicht die Gefahr, dass die hierarchische Ordnung außer Acht gelassen wird?

Netzwerke sind kein Selbstzweck für das Unternehmen. Um auf die Entwicklung in digitalen Märkten und Prozessen zu reagieren, sind interne soziale Netzwerke eine Notwendigkeit, privat und in Unternehmen. Die Anforderungen von Kunden und Märkten greifen hierarchische Ordnungen an, nicht die sozialen Netzwerke. Strenge Hierarchie ist zu kompliziert und langsam in Prozessen und Entscheidungen. Zum Ton: Gutes Benehmen und Anstand gehören zu unseren Werten und sollten weder im Internet noch in Firmen-Netzwerken ignoriert werden. Emotionale Intelligenz ist gefragt und ein wesentlicher Führungsfaktor der Zukunft.

Sie sagen, dass durch die fortschreitende Digitalisierung eine „Unternehmenskultur weg von der zentralistischen Kommandokultur hin zur weitgehenden Selbststeuerung von Teams“ erreicht wird. Brauchen die selbstgesteuerten Teams nicht auch ein wenig Kontrolle, ebenso wie einen Verantwortlichen?

Sicher brauchen Teams Kontrolle, sonst entstehen Diskussionsrunden ohne Verbindlichkeit, man dreht sich im Kreis. Die Führungskraft muss deshalb Teil des Kommunikationsprozesses sein, denn Zeiten, in denen man sich E-Mails ausdruckt und handschriftlich bearbeitet an seine Mitarbeiter weiterleitet, sind vorbei. Deshalb ist es wichtig, dass Führungskräfte Vertrauen in die Fähigkeiten und Kommunikationswege von Mitarbeitern haben.

Führungskräfte werden weiter einen Großteil der Entscheidungen treffen und sollten deshalb auch im Enterprise 2.0 aktiv sein und es den Mitarbeitern vorleben. Welches und wie viel Wissen, dürfen und sollten die Führungskräfte teilen und für sich behalten?

Soviel wie nötig! Nicht jeder muss alles wissen und überall mitreden wollen – und soll es vor allem nicht. Wissen und Informationen müssen geteilt werden, da von Mitarbeitern zunehmend eigenständige und autarke Entscheidungen und Handlungen erwartet werden. Der Spruch „Wissen ist Macht“ wird zukünftig nicht mehr anwendbar sein, da es zu lange dauert, das Wissen einer Führungskraft zu aktivieren und in die Handlungen miteinzubeziehen.

Bei diesem Thema sollte auch die Datensicherheit betrachtet werden, da digitale Informationen mit der Außenwelt (Kunden, Lieferanten, etc.) geteilt werden. Je mehr geteilt wird, umso mehr lässt man die „Hosen runter“, was wiederum für Kriminelle und unlautere Wettbewerber von Vorteil ist. Bei strategisch wichtigen Themen sollte die direkte Kommunikation definitiv beibehalten werden.

Thomas Ring, mmc, mmc AG

Thomas Ring (Quelle: ©
mmc AG)

Verschafft sich das Unternehmen durch die neue Arbeitsstruktur einen Wettbewerbsvorteil?

Die neue Arbeitsstruktur allein ist nicht genug, da sie nur ein Werkzeug ist. Die besseren Prozesse und Entscheidungen im Hinblick auf Geschwindigkeit und Qualität schaffen den Vorteil. Es wird aber auch weiterhin Branchen und Unternehmen geben, die keine neuen Arbeitsstrukturen brauchen, technologische Veränderungen aber sehr wohl. Ein Pakettransport wird auch zukünftig nicht übers Internet erfolgen, aber dafür vielleicht mit Drohnen. Die Mitarbeiter werden auch weiterhin nicht entscheiden können, wann und wie ein Paket geliefert wird. Eine Kombination aus digitalen Technologien und Enterprise 2.0 wäre also das Beste.

Enterprise 2.0 und Firmennetzwerke werden Unternehmen zunehmend verändern. Die Chancen sind groß. Jedes Unternehmen muss diese (nur) nutzen, um das beste für sich herauszuholen.

Das Interview mit Thomas Ring führte Oliver Foitzik, Partner bei mmc und Redaktionsleiter des mmc Magazins.

 

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