Einfach gut: Steigender Komplexität durch Reduzierung begegnen

Erschienen am: 29. Juni 2017

Die Welt wird immer komplexer: Globale Verflechtungen, sich beschleunigende Märkte, politische Regulierung, technologischer Fortschritt – all das verlangt Unternehmen so einiges an Anpassung ab. Viele Firmen reagieren auf diese gestiegene externe Komplexität, indem sie selbst komplexer werden. Doch das ist nicht unbedingt der beste Weg.

Viel hilft viel?

Während Unternehmen den zunehmenden Komplexitätsgrad ihrer Umwelt nicht beeinflussen können, so haben sie den internen Grad der Verflechtung sehr wohl in der Hand. Dennoch unterliegen viele Firmen dem Trugschluss, auf externe Komplexität mit interner reagieren zu müssen. Unternehmen müssen so manche Herausforderung meistern, wenn sich Aufgaben und Rahmenbedingungen wandeln.

Problem 1: Überkomplexe Strukturen

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Einfachheit bringt Unternehmen weiter. (Bild: alphaspirit – fotolia.com)

Erfolgreiche Unternehmen expandieren. Sie erobern Marktanteile, vergrößern ihr Sortiment und eröffnen internationale Filialen. In der Folge werden zusätzliche Managementstrukturen geschaffen, die Entscheidungen für bestimmte Teilbereiche treffen. Abstimmungsbedarf entsteht und Prozesse verlangsamen sich. Das bremst Innovationen aus und verursacht Kosten.

Eine Patentlösung für diese Problematik gibt es nicht. Unternehmen sollten aber stets reflektieren, ob es wirklich notwendig ist, neue Strukturebenen zu schaffen. Häufig lassen sich auch informelle Entscheidungswege nutzen, um die Hierarchiestufen nicht unnötig zu verkomplizieren. Was häufig übersehen wird: Führung von Organisationen beruht auf sozialer Einflussnahme. Die organisational vorstrukturierte Machtbasis (durch Legitimation, Bestrafung, Belohnung) hat sich als deutlich weniger erfolgseffektiv erwiesen als faires Verhalten und vertrauensbasierte Führung. Beispielsweise können Teamleitern Entscheidungskompetenzen übertragen werden, so dass keine neuen Ebenen entstehen.

Problem 2: Zu umfangreiches Produktportfolio

Viel hilft viel? – das gilt nicht fürs Produktportfolio. Dass Kunden rationale Entscheidungen treffen, ist ein Mythos, wie auch die Wirtschaftswissenschaft mittlerweile erkannt hat. Mit der perfekt rationalen Entscheidung sind wir schlichtweg überfordert. Wer stunden- oder tagelang Informationen sammeln muss, um das beste Produkt für sich zu finden, der verliert schnell die Lust. Das A und O für Unternehmen ist deshalb, das Sortiment möglichst genau auf die Zielgruppe abzustimmen. Klar, dass man die dazu erstmal kennen muss: Klassische Marktforschung oder die Nutzung von Methoden wie Social Forecasting helfen dabei.

Wie das Motto „Weniger ist mehr“ zum Unternehmenserfolg beiträgt, zeigen Beispiele wie Apple oder Aldi. Der kalifornische Tech-Gigant produziert das iPhone: jeder kennt es, jeder weiß, was es kann. Diese Übersichtlichkeit schätzen Kunden und belohnen sie mit langen Schlangen vor den Apple Stores, wenn die neueste Version auf den Markt kommt.

Ähnlich das Aldi-Prinzip: Während man in anderen Supermärkten vor dem Joghurt-Regal verzweifeln könnte, weil das Angebot einen schlicht überfordert, setzt Aldi auf eine reduzierte Produktpalette. Unter dem Motto „Einfach ist mehr“ startete der Discounter eine Kampagne, die jetzt sogar mit der reduzierten Komplexität wirbt.

Problem 3: Informationen und Anpassung

Interne Komplexität lässt sich unternehmerisch steuern – externe nicht. An Umwelt- und Sozialstandards sowie die Anforderungen internationaler Märkte müssen sich Unternehmen anpassen. Deshalb tun sie gut daran, in die Beschaffung von Informationen zu investieren. Je frühzeitiger Regulierungsvorhaben bekannt sind, desto besser und kostengünstiger können Firmen sie umsetzen.

Weniger ist mehr!

Als Management-Faustregel gilt: Jede Neueinführung muss an anderer Stelle eine Reduzierung zur Folge haben. Nur so schaffen es Unternehmen, keine überkomplexen Strukturen und Sortimente aufzubauen. In einer Wirtschaftswelt, in der es auf Schnelligkeit ankommt, sind schlanke und flexible Unternehmen klar im Vorteil. Und das in zweierlei Hinsicht: Nur wenn schnelle und mutige Entscheidungen möglich sind, lassen sich echte Innovationen auf den Markt bringen.

Hinzu kommt: Komplexität verlangsamt nicht nur Prozesse, sie kostet auch. Wie eine Studie 2011 herausfand, verlieren die größten Unternehmen der Welt jährlich etwa eine Milliarde Dollar durch zu hohe Komplexität.

Sorgen Sie deshalb in ihrem Unternehmen für Einfachheit. Überdenken Sie Ihr Geschäftsmodell, vereinfachen Sie Ihre Strukturen und Prozesse! Sie werden sehen: Es lohnt sich in jeder Hinsicht.

Dieser Beitrag wurde verfasst von Michael Mollenhauer, Vorstand und Partner der mmc AG.

 

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