Die Rolle von Vertrauen in Organisationen im Zeitalter der Digitalisierung

Erschienen am: 22. Juni 2016

Die Digitalisierung hat uns fest im Griff. So auch der Datenklau. Es gilt deshalb, sich vor diesen Risiken zu schützen und Vertrauen innerhalb der Organisationen aufzubauen. Wie dies funktioniert, erklärt Michael Mollenhauer im Interview.

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In Zeiten der Digitalisierung ist das Vertrauen innerhalb Organisationen enorm wichtig. (© Henrik Dolle / Fotolia.com)

Michael Mollenhauer über Vertrauen in Organisationen

Herr Mollenhauer, digitales Zeitalter: Ist das jetzt auch ein Thema, auf das Sie quasi aufspringen und mitschwimmen? Wurde dazu nicht schon alles gesagt?

Sie haben insoweit Recht, wenn Sie darauf verweisen, dass es bereits viele Studien zu den Begriffen Industrie 4.0, Enterprise 2.0, Big Data, Social Media gibt und damit wesentliche Aspekte der Digitalisierung bezeichnen, die immer stärker zusammenwirken werden.

Allerdings, wenn wir heute von einem Zeitalter der Digitalisierung sprechen, so wird vielfach nicht ausreichend bewusst, dass davon neuartige Führungsanforderungen, Vertrauensbeziehungen und die Bedeutung von Erfahrung und Urteilsfähigkeit der Menschen betroffen sein werden.

Verantwortliche in Unternehmen und Organisationen müssen glaubhaft vermitteln können, dass sie Digitalisierung nicht ohne oder gar gegen die Mitarbeiter einsetzen wollen, sondern die Menschen bei dieser Entwicklung mitnehmen. Denn um die Möglichkeiten der Digitalisierung für mehr Flexibilität und mehr Produktivität zu nutzen, braucht es das implizite Wissen und das eigenverantwortliche Handeln der Mitarbeiter stärker denn je zuvor. Der erste Schritt ist, die nötige Vertrauensbasis zu schaffen.

Was ist denn Ihr konkreter Vorschlag?

Wir unterstützen ein Gemeinschaftsprojekt des Trust Management Instituts, das die Anforderungen aufzeigt und erklären wird, wie diese für ein nachhaltiges Vertrauensklima im Zuge der fortschreitenden Digitalisierung zu erfüllen sind.

In einer Felduntersuchung soll durch umfassende Interaktion mit betroffenen Menschen deren Bewertung der vertrauensbildenden und entfremdenden Faktoren ermittelt und auf unterschiedliche Szenarien der Digitalisierung gespiegelt werden. Als Ergebnis werden praxistaugliche Ansätze, Strategien und Instrumente für Führung und Management zum Aufbau eines „Vertrauensklimas 4.0“ in Unternehmen und Organisationen vorliegen. Konkrete operationale Ansätze werden für mehrere Arbeitsfelder entwickelt.

Trust Management Institut? Wer steckt dahinter?

Das Trust Management Institut – abgekürzt TMI – hat sich den Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft über Voraussetzungen, Faktoren und Praktiken der Vertrauensbildung zur Aufgabe gemacht. Dazu hat das TMI einen wissenschaftlichen Beirat aus führenden Wissenschaftlern der Vertrauensforschung gebildet. Das Trust Management Institut wird geleitet von Prof. Dr. Tom Sommerlatte. Im Vorstand sind außerdem Jean-Luc Fallou, Paris – er leitet das TMI, France und ich.

Wie wird das Projekt bearbeitet? Wer finanziert das Projekt?

In nächster Zeit sprechen die Mitglieder des TMI und befreundete Unternehmer eine Reihe von Geschäftskontakten an, um sie für die Mitwirkung an diesem Gemeinschaftsprojekt zu gewinnen. Finanziert wird das Projekt also aus Sponsoring-Beiträgen. Sobald die Finanzierung steht, wird das Projekt in folgenden vier Phasen realisiert: Analyse der „Erwartungen und Befürchtungen“, gefolgt von „Szenarien für eine Digitalwirtschaft“, dann „Anforderungen an Führungskräfte“ und schließlich „Strategiemuster für ein Vertrauensklima“.

Wer arbeitet daran? Und was qualifiziert die Beteiligten so besonders?

Koordination, Leitung und Supervision übernehmen verantwortliche Mitglieder des TMI. Begleitet wird das Projekt durch den Wissenschaftsbeirat des TMI und einem Unternehmensbeirat, in dem die Sponsoren vertreten sind. Wichtig ist mir hier noch der Hinweis, dass wir in diesem Gemeinschaftsprojekt mit dem Institut für Sozialorganik, Alanus Hochschule, Alfter bei Bonn und mit NextPractice, Bremen zusammenarbeiten.

Das Institut für Sozialorganik widmet sich der Erforschung wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Phänomene. Dabei wird Wirtschaft als ein Organ des sozialen Organismus betrachtet, wie ihn die Gesellschaft als Ganzes darstellt. Nextpractice, um Prof. Dr. Peter Kruse, hat einen eigenständigen Ansatz und softwaregestützte Methoden entwickelt, die Unternehmen und Institutionen dabei unterstützen, komplexe Zusammenhänge zu verstehen und kollektive Intelligenz zu nutzen.

Welchen Nutzen haben die Sponsoren?

Sie nehmen Einfluss auf die Fragestellungen der Untersuchungen und nutzen die Erfahrungen aus anderen Unternehmen und Organisationen. Oft werden wir gefragt, wieviel Ressourcen durch die Mitarbeit gebunden werden. Die Antwort: Das bestimmt der Sponsor selbst. Das reicht von dem direkten Zugang zu allen Projektergebnissen bis hin zur Gestaltung einer eigenen unternehmensspezifischen Bewegung. So bietet das Projekt optional auch die Gelegenheit zu Inhouse-Workshops; unter anderem mit dem Ziel, die eigenen Führungskräfte zu sensibilisieren, wie und was sie zur Wahrung und Bildung eines guten Vertrauensklimas im Zuge der weiteren Digitalisierung beitragen können.

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(c) mmc AG – Michael Mollenhauer

Natürlich werden die Sponsoren auch bei allen Veranstaltungen und Veröffentlichungen entsprechend gewürdigt.

Das Vertrauen in Unternehmen muss deutlich gestärkt werden, um Mitarbeiter auf die Digitalisierung im Unternehmen vorzubereiten. Das Trust Management Institut ist hierfür ein erster Schritt und hilft, das Vertrauen innerhalb der Unternehmen durch Inhouse-Workshops aufzubauen und zu stärken.

Das Interview führte Oliver Foitzik, Partner bei mmc und Redaktionsleiter des mmc-Magazins.

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