Angst vor der Digitalisierung: Aufklären statt Durchdrehen

Erschienen am: 11. Juli 2017

Die Angst, dass Maschinen uns die Arbeit wegnehmen könnten, ist so alt wie das industrielle Zeitalter. Waren es früher die Roboter in der Fertigung, die geringqualifizierte Arbeitsplätze ersetzten, so fürchten sich Arbeitnehmer heute vor der Digitalisierung. Aber die Angst ist oft nur eine Folge von Desinformation. Wie können Unternehmen ein Vertrauensklima schaffen, das Mitarbeiter und Führungskräfte erfolgreich auf dem Weg der Digitalisierung zusammenarbeiten lässt?

Digitalisierung: Pessimismus regiert

Während Politik, Startups und Unternehmensberater die Chancen der digitalen Transformation betonen, sieht der Großteil der Arbeitnehmer diese Entwicklungen als Bedrohung an. Laut einer Umfrage im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung

  • befürchten 81 Prozent der Deutschen, dass immer mehr Menschen ins berufliche Abseits geraten,
  • 84 Prozent glauben, dass Gehaltsunterschiede steigen werden.
  • Eine Mehrheit von 42 Prozent erwartet negative Auswirkungen der Digitalisierung, 32 Prozent eher positive.
  • Jugendliche (14- 19-Jährige) blicken optimistischer in die Zukunft als Ältere.
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Viele befürchten Nachteile infolge der digitalen Transformation. (Bild: Konstantin Herrmann – Fotolia.com)

Fakt ist: Die Digitalisierung stellt Unternehmen und Mitarbeiter vor große Herausforderungen. Auf der Unternehmensseite gilt es, mit beschleunigten Innovationszyklen zu Recht zu kommen, Strukturen und Entscheidungsprozesse an das neue Tempo anzupassen, innovativer, schneller und kreativer zu werden. Auch die Unternehmenskulturen müssen sich anpassen: Weg von hierarchisch strukturierten Entscheidungsebenen hin zu netzwerkartigen Gebilden mit kurzen Wegen. Wie Unternehmen Gewinner der Digitalisierung werden habe ich bereits vor einigen Wochen beschrieben.

Digitalisierung: Herausforderung für Mitarbeiter und Unternehmen

Auf Seiten der Mitarbeiter sind neue Kompetenzen und neue Flexibilität gefragt. Der Umgang mit digitalen Tools wird zum Muss. Mitarbeiter haben bereitsheute in vielen Branchen und Unternehmen die Möglichkeit, an verschiedenen Orten, zu verschiedenen Zeiten zu arbeiten. Das bietet einerseits Chancen, Arbeit und Leben flexibler zu gestalten. Andererseits erhöht es auf den Einzelnen den Druck der Erreichbarkeit, wenn keine geeigneten Gegenmaßnahmen getroffen werden.

Aufklärung statt Panikmache: Wie man der Angst begegnen sollte

Die größten Ängste entstehen aus der Unwissenheit. Die Digitalisierung ist ein hochkomplexer Prozess, der bei vielen auf Unverständnis infolge von Fehl- und Desinformation trifft. Entscheidend ist deshalb, Aufklärung, Information und Weiterbildung zu fördern. Unternehmen, die Umstrukturierungsmaßnahmen und technologische Neuerungen, ja vielleicht sogar einen Kulturwandel planen und umsetzen wollen bzw. müssen, tun deshalb gut daran, alle Beteiligten ins Boot zu holen. Gegenseitiges Vertrauen schafft Flexibilität, Wertschätzung und Wertschöpfung. Change-Prozesse sollten deshalb

  1. Strategische Vision entwickeln: Im Unternehmen sollten Mitarbeiter und Führungskräfte gemeinsam eine strategische Vision entwickeln, wie sie die Digitalisierung in ihrem Betrieb sinnvoll, gewinnbringend und zum Wohle aller Beteiligten umsetzen können.
  2. Informationen transparent bereitstellen: Nur wenn das Management den Mitarbeitern alle Informationen zur Verfügung stellt, können diese sich konstruktiv am Prozess beteiligen. Und auch nur dann kann ein Vertrauensklima entstehen, dass das Unternehmen nachhaltig zum Erfolg trägt.
  3. Vision umsetzen: Mitarbeiter müssen im Zuge der Digitalisierung für ihre neuen Aufgaben geschult und weitergebildet werden. Die Führungsebene muss hier mit gutem Beispiel vorangehen: Nur wenn das Management auch selbst zu Umstrukturierungen, Weiterbildungsmaßnahmen und zum Einsatz neuer Technologien bereit ist, kann es dies auch glaubhaft gegenüber den Mitarbeitern kommunizieren.
  4. Klare Rahmenbedingungen definieren: Geht es um Fragen wie flexible Arbeitszeiten, Work-Life-Balance, Weiterbildungen oder ähnliches, so ist auch hier Kommunikation und Transparenz das Maß aller Dinge. Ständige Erreichbarkeit hilft niemandem und kann sogar krank machen. Klare Abmachungen schaffen hier Abhilfe.

Digitalisierung gestalten

Ja, die Digitalisierung hat Umbrüche zur Folge. Und ja, sie fordert von Mitarbeitern und Führungskräften neue Fähigkeiten und Fertigkeiten. Aber sie bietet zahlreiche Chancen, die sich weder Unternehmen, noch Mitarbeiter entgehen lassen sollten:

  • Neue Arbeitsplätze entstehen
  • Gestaltungsmöglichkeiten, Kreativität und Freiheiten nehmen zu
  • Kommunikationsmöglichkeiten steigen an
  • Flexibilität steigt
  • Innovationen werden möglich
  • unser aller Alltag wird erleichtert

Statt in Schockstarre zu verfallen, gilt deshalb für Mitarbeiter wie für das Management: Gehen wir mit gutem Beispiel voran und gestalten wir die Digitalisierung so, dass sie unser Leben erleichtert!

Nutzen Sie unseren Check-up Digitalisierung und prüfen Sie Ihre Fitness.

Der Beitrag wurde verfasst von Thomas Ring, mmc Partner und Vorstand der mmc AG.

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